We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Lufthansa: Massenentlassungen trotz 9 Milliarden Euro Staatshilfen – wie der Staat den Aktionären hilft.

3 1 113
23.05.2020

Foto: Milliardär Heinz Hermann Thiele, der größte Aktionär von Lufthansa mit 10 Prozent

Die Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und der Konzernführung von Lufthansa laufen. Laut dem aktuellen Stand soll der größte Fluggesellschaft in Deutschland Neun Milliarden Euro Hilfe aus „Wirtschaftsstabilisierungsfonds“ bekommen. Weitere drei Milliarden Euro soll als Darlehen von nationale Investitionsbank KfW kommen.

Im Umkehrschluss bekommt der deutsche Staat 20 Prozent der Aktien und zwei Sitze im Aufsichtsrat. In der Presseerklärung von Lufthansa Group heißt es, dass die „mit den Aktien verbundenen Stimmrechte insgesamt nur in Ausnahmefällen wie dem Schutz vor einer Übernahme“ ausgeübt werden soll. Somit werden Tür und Tor für Massenentlassungen in kommenden Monaten geöffnet, da der Staat sich verweigert Einfluss darauf zu nehmen.

Bei Lufthansa AG arbeiten ca. 140.000 Beschäftigten. Seit April sind weltweit 87.000 Arbeiter*innen (davon 62.000 in DE) unter Kurzarbeit. Dadurch ist der Konzern von jeglichen Lohnkosten entlastet und will so die Zahlungen an Aktionär*innen für die kommende Jahre aufrechterhalten. Bisher wurden angekündigt, dass 10.000 Beschäftigten ihre Jobs verlieren werden.

Das Unternehmen war bis 1963 staatlich und wurde bis 1997 im Zuge der neoliberalen Privatisierungswelle in Deutschland im Interesse der privaten Aktionär*innen vollständig in privater Hand überführt. Im Zuge dessen wurden etliche Bereiche wie Wartung, Catering etc. ausgegliedert, um den Tariflohn zu umgehen.

Die Chef-Etage von Lufthansa ist für ihre astronomischen Löhnen bekannt. Beispielsweise Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr führt mit der Bundesregierung die Verhandlungen für Staatshilfen. Nach einer Gehaltserhöhung in 2016, verdient das 85-Fache eines durchschnittlichen Mitarbeitergehalts: im Jahr 2017 4,19 Millionen Euro. Bei solch hohen Summen davon zu sprechen, dass man wegen der Corona-Krise auf 20% des Vorstandsgehalts verzichten würde, ist ein Witz für die Beschäftigten, die wegen Kurzarbeit teilweise weniger als 1000 Euro auskommen müssen.

Das Management ist außerdem für seine konsequente Bekämpfung des Streiks der Beschäftigten bekannt. Sowohl in 2015, als auch Ende 2019 wurden Streiks der Beschäftigten verboten. Der Grund: die Streiks richteten sich gegen die „unternehmerische Freiheit“ und würden den Rahmen der Tarifverhandlungen überspringen. In der Realität waren die Streiks der Kolleg*innen mit hunderten gestrichenen Flügen so erfolgreich, dass der Staat im Interesse der privaten Aktionär*innen in die Situation eingreifen musste.

Dieselbe unternehmerische Freiheit wird heute als ein Argument gegen Verstaatlichungen und ein Eingreifen des Staates verwendet. Bei ihren Streikverboten nutzen sie aber eben jene Begründung, um........

© Klasse Gegen Klasse