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Aufruf: „Für den Aufbau einer neuen revolutionären Organisation in Frankreich“.

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21.06.2022

Die Delegierten einer landesweiten Konferenz, die am 4. und 5. Juni in Frankreich stattfand, schlossen ihre Diskussionen und Beratungen mit dem Aufruf zum Aufbau einer neuen revolutionären Organisation in Frankreich ab. Die neue Organisation soll die Aufgabe der radikalen Linken wieder aufgreifen, die durch eine liquidatorische Perspektive und die Weigerung, sich an den Kämpfen der Arbeiterklasse und der am stärksten Unterdrückten in Frankreich zu beteiligen, unterminiert worden ist.

Zum Abschluss einer nationalen Konferenz, die am 4. und 5. Juni im Pariser Vorort Sarcelles stattfand, wurde dieser Aufruf von den 104 Delegierten, die mehr als 300 Aktivisten aus den meisten Regionen Frankreichs vertraten, angenommen. Unter ihnen waren die Anführer der wichtigsten Kämpfe und Mobilisierungen der letzten Jahre: Reinigungskräfte von Onet, Eisenbahner, Beschäftigte der Pariser Verkehrsbetriebe RATP, Arbeiter der Ölraffinerie in Grandpuits, Beschäftigte der Luft- und Raumfahrt- sowie der Lebensmittelindustrie, Beschäftigte des Bildungs- und Gesundheitswesens und Studierende von Universitäten und Schüler:innen aus Oberschulen.

Wir leben in zunehmend unruhigen Zeiten. Die reaktionäre Aggression von Putins Regime gegen die Ukraine, die sich vor dem Hintergrund eines anhaltenden geopolitischen Konflikts zwischen Russland und der von den Vereinigten Staaten angeführten NATO abspielt, markiert die Rückkehr des Krieges nach Europa und ganz allgemein eine Verschärfung der weltweiten geopolitischen Spannungen. Die Wiederbewaffnung Deutschlands ist vielleicht der deutlichste Hinweis darauf, dass wir erst am Anfang einer Eskalation stehen, die uns in die schlimmsten Zeiten des 20. Jahrhunderts zurückversetzen könnte.

Gleichzeitig halten die mit der Umweltkrise verbundenen Katastrophen an. Dürren, Megabrände und Hitzeperioden sind die dramatischen Folgen eines Produktionssystems, das die Umwelt und die Lebewesen zerstört und das Überleben der Menschheit bedroht. Ebenso hat die Covid-19-Pandemie auf brutale Weise die Auswirkungen des Zusammenbruchs der Gesundheitssysteme und des kapitalistischen Managements der Pharmaindustrie aufgezeigt. Sie weist auch auf die Irrationalität eines Systems hin, das es einer Handvoll Milliardäre ermöglicht hat, um 3,78 Billionen Dollar reicher zu werden, während die Arbeiter:innen, die die essenziellste Rolle spielen, ärmer geworden sind.

Heute bereiten sich die Regierungen wieder einmal darauf vor, die Arbeiterklasse die Rechnung für die Rettung der Konzerne zahlen zu lassen. Wir leiden bereits unter einer enormen Inflation, die unsere Lebensbedingungen angreift, und diese Offensive könnte schnell zu neuen sozialen Explosionen führen. Wir haben bereits erlebt, wie die pandemische Krise eine Welle des Klassenkampfes gebremst hat, die so viele verschiedene Länder erfasst hat, von Chile bis Algerien, von Frankreich bis Hongkong, vom Irak bis zum Sudan, vom Libanon und so weiter.

Diese internationale Welle hat eine neue Generation von Aktivisten hervorgebracht, die sich nicht nur auf dem Gebiet der sozialen Kämpfe engagieren, sondern auch gegen Rassismus, gegen das Patriarchat und zur Verteidigung der Umwelt. So finden wir viele Aktivisten aus der Black-Lives-Matter-Bewegung unter denjenigen, die in den USA in den Hochburgen der prekären Arbeit wie Starbucks und Amazon Gewerkschaften gründen. Auch in Frankreich sind ehemalige Gelbwesten in der florierenden Streikwelle für Löhne in der Industrie und im Logistiksektor aktiv. In den letzten Jahren sind beispiellose Verbindungen zwischen Kämpfen entstanden, wie etwa die Mobilisierung von Umweltaktivisten zur Unterstützung der streikenden Raffineriearbeiter:inne in Grandpuits.

Wir müssen aus den reichen Erfahrungen der letzten Jahre und aus dieser jüngsten Welle Lehren ziehen. Die erste ist zweifellos, dass Kämpfe, die sich unkontrolliert entfalten, dazu verdammt sind, isoliert zu werden und zu scheitern. In Frankreich haben wir in den letzten Jahren eine Reihe von Bewegungen in fast allen Teilen der Bevölkerung erlebt: Studierende und Schüler:innen und große Teile der Beschäftigten in der Privatwirtschaft im Jahr 2016; Eisenbahner und Studenten im Jahr 2018; Arbeiter und Arbeiterinnen und die ärmere Bevölkerung auf dem Land und im........

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