Von Hormus bis Peking: Die Risse in der US-Hegemonie
Von Hormus bis Peking: Die Risse in der US-Hegemonie
Inmitten einer brüchigen Waffenruhe am Golf trifft ein geschwächter Trump in Peking auf Xi Jinping. Geopolitische Neuausrichtungen und militaristische Tendenzen in Europa nehmen Fahrt auf.
Nachdem Trump den Vorschlag des Iran als „völlig inakzeptabel“ bezeichnet hat, steht er vor der Zwickmühle, den Krieg wieder aufzunehmen oder eine Niederlage hinzunehmen. Wie aus offiziellen iranischen Medien verlautete, umfasst der Vorschlag Teherans die Aufhebung der US-Blockade, die Anerkennung der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus, die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen, die Freigabe iranischer Vermögenswerte und eine Entschädigung für Kriegsschäden. Zudem fordert er das Ende des Krieges im Libanon und schlägt vor, konkrete Fragen zum Atomprogramm, auf das er sein souveränes Recht beansprucht, weiter zu verhandeln. Das Scheitern der Operation „Projekt Freiheit“ zur Öffnung der Straße von Hormus offenbart – erneut – die Grenzen der US-Militärmacht.
Schachmatt für die USA?
Ein in dieser Woche viel diskutierter Artikel des neokonservativen Analysten Robert Kagan, der am 10. Mai im Atlantic veröffentlicht wurde, geht davon aus, dass das wahrscheinlichste Szenario eine Niederlage der USA in diesem Krieg ist. Kagan weist zudem darauf hin, dass es sich dabei um die schlimmste Niederlage der USA in ihrer jüngeren Geschichte handeln würde, die nur sehr schwer rückgängig zu machen wäre. Die einzigen Optionen, die Trump noch blieben, wären eine Eskalation durch eine Bodenoffensive – was „enorme Risiken“ mit sich bringt, die er nicht bereit ist einzugehen – oder die faktische Kapitulation vor dem Iran. Kagan ist einer der wichtigsten intellektuellen Architekten des US-Militärinterventionismus der letzten drei Jahrzehnte, ein glühender Verfechter des US-Unilateralismus und ein bekennender Imperialist. Dass ausgerechnet er ein „Schachmatt“ verkündet, sorgte daher für Aufruhr im Establishment der US-Außenpolitik. Kagan argumentiert, es sei schwer vorstellbar, dass die USA jemals eine so entscheidende Niederlage erleiden würden, dass der strategische Verlust weder behoben noch ignoriert werden könne: „Die Niederlagen in Vietnam und Afghanistan waren kostspielig, haben aber der globalen Position der USA keinen dauerhaften Schaden zugefügt, da sie sich fernab der Hauptschauplätze des globalen Wettbewerbs ereigneten.“ In diesem Fall sieht die Prognose ganz anders aus: Die Straße von Hormus würde unter iranische Kontrolle geraten und sich von einer internationalen Seestraße in ein strategisches Instrument verwandeln. Die USA würden damit ihre Hegemonie am Golf verlieren, und Verbündete und Gegner auf der ganzen Welt „würden sich an das Scheitern der USA anpassen“.
Kagan weist darauf hin, dass eine neue Runde von Luftangriffen, wie sie von einigen Befürworter:innen einer Fortsetzung des Krieges empfohlen wird, ebenfalls keine entscheidenden Auswirkungen haben wird. In 37 Tagen der Luftangriffe durch die USA und Israel gelang es nicht, das iranische Regime zu stürzen. Eine Wiederaufnahme der militärischen Intervention würde den Iran dazu veranlassen, Vergeltungsmaßnahmen gegen die Golfstaaten zu ergreifen. In der vorangegangenen Phase des Krieges sah sich Trump gezwungen, die Angriffe einzustellen, als der Iran begann, Gas- und Ölanlagen in der Region anzugreifen. Der Wendepunkt kam, als Israel das iranische South-Pars-Gasfeld bombardierte und Teheran mit Angriffen auf die Industriestadt Ras Laffan in Katar, die größte Erdgas-Exportanlage der Welt,........
