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Globaler Klimastreik am 24.9.: Der Kapitalismus und seine Regierungen zerstören den Planeten – lasst uns den Kapitalismus zerstören!

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23.09.2021

Die Jugendlichen, Student:innen und Arbeiter:innen der antikapitalistischen, sozialistischen und revolutionären Gruppen, die mit der Trotzkistischen Fraktion - Vierte Internationale (FT-CI) in Argentinien, Brasilien, den USA, Chile, Mexiko, Frankreich, dem Spanischen Staat, Deutschland, Italien, Venezuela, Bolivien, Peru, Costa Rica und Uruguay verbunden sind, schließen sich dem globalen Klimastreik am 24. September an. Wir rufen in sieben verschiedenen Sprachen: "Der Kapitalismus zerstört den Planeten – lasst uns den Kapitalismus zerstören!"

An diesem 24. September werden wir erneut für einen globalen Klimastreik auf die Straße gehen. Es gibt viele Gründe, sich zu mobilisieren: die Verschärfung der Klimakrise, die zunehmenden Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände, die Vieles verwüstet haben, die zunehmende Ausbeutung natürlicher Ressourcen in Lateinamerika und Afrika durch die imperialistischen Mächte. Nicht zuletzt verleihen die düsteren Aussichten, die der jüngste Bericht des Intergovernmental Panel of Experts on Climate Change (IPCC) aufzeigt, unserer Aufgabe eine noch größere Dringlichkeit.

In diesem Aufruf fordern wir, dass die Regierungen dringende Maßnahmen ergreifen, um die globale Erwärmung aufzuhalten und den Übergang hin zu einer regenerativen Energieproduktion zu beschleunigen. Aber angesichts der sich verschärfenden Klimakrise wissen wir, dass es notwendig ist, ein unabhängiges Programm mit einer Strategie zur Beendigung der Grundursache der ökosozialen Katastrophe zu entwickeln: das kapitalistische System selbst.

Die durch das kapitalistische Produktionssystem verursachte Erwärmung stellt eine direkte Bedrohung für das Leben von Hunderten von Millionen Menschen in den kommenden Jahrzehnten dar. Doch anstatt in Klimaverzweiflung und Demoralisierung zu verfallen, müssen wir unsere Frustration in den Kampf zum Umsturz des kapitalistischen Systems lenken. Es ist noch nicht zu spät, um eine katastrophale Erwärmung zu verhindern, aber wir dürfen uns keine Illusionen darüber machen, dass die Parteien des Kapitals die dafür notwendigen Änderungen vornehmen werden. Nur die Arbeiter:innenklasse und ihre Verbündeten haben die Macht, ein neues System aufzubauen, das im Interesse der gesamten Menschheit funktioniert.

Die Schlussfolgerungen des Ersten Teils der Sechsten IPCC-Berichts sind eindeutig: Die gesammelten wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass die Folgen der globalen Erwärmung immer häufiger und gefährlicher werden und dass es immer schwieriger wird, sie rückgängig zu machen, wodurch das Zeitfenster, das zur Verfügung steht, um unumkehrbare Klimaveränderungen zu vermeiden, immer kleiner wird. Solche Veränderungen treten „in allen Regionen und im Klimasystem insgesamt“ auf; viele der in jüngster Zeit beobachteten Veränderungen sind „seit Tausenden, wenn nicht Hunderttausenden von Jahren beispiellos, und einige der bereits in Gang gesetzten Veränderungen – wie der anhaltende Anstieg des Meeresspiegels – sind über Hunderte bis Tausende von Jahren unumkehrbar“.

Während die wissenschaftlichen Beweise für die globale Erwärmung der eine Schlüsselfaktor des IPCC-Berichts sind, besteht der andere in den gesammelten Beweisen für die direkte Verbindung zur kapitalistischen Produktion. Es besteht kein Zweifel mehr am Einfluss der Produktionsweise am Klimasystem, das sich seit Beginn der industriellen Revolution dramatisch erwärmt hat und die Treibhausgase ausstößt, die für ein globales Ungleichgewicht verantwortlich sind und uns in die Klimakatastrophe führen.

In dem Bericht wird wiederholt betont, dass das Ziel des Pariser Abkommens nicht erreicht werden kann, wenn die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen nicht bis 2050 auf ein Netto-Null-Niveau reduziert werden. Dieses Abkommen, das auf der 21. Konferenz über den Klimawandel (COP 21) im Jahr 2015 ausgehandelt wurde, zielt darauf ab, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf unter 2 °C und idealerweise auf 1,5 °C zu begrenzen, Schwellenwerte, die bei Überschreitung als schwerwiegend für den Fortbestand des Lebens auf dem Planeten gelten. Bislang scheitern die Unterzeichner der COP 21 jedoch kläglich daran, die für dieses Ziel erforderlichen Vorgaben zu erfüllen. Pessimistischere Schätzungen gehen davon aus, dass der Planet in etwas mehr als einem Jahrzehnt die 1,5°C-Grenze überschreiten und bis zum Ende des Jahrhunderts vielleicht eine Erwärmung von 3°C erreichen wird.

Die katastrophalen Folgen dieser Beschleunigung sind bereits überall um uns herum zu sehen: eine Zunahme von Dürren noch nie dagewesenen Ausmaßes in Argentinien und Brasilien, unkontrollierte Brände in der Türkei, Griechenland, Tunesien oder den Vereinigten Staaten, sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen in China, Deutschland und Westeuropas, sowie in Lateinamerika, einer der am stärksten von Stürmen und Überschwemmungen betroffenen Regionen, wie es der Fall Mexikos vor einigen Wochen zeigte.

Wir erleben die Intensivierung tropischer Wirbelstürme, die Erwärmung und Versäuerung von Flüssen und Ozeanen, extreme Hitzewellen, heftige Regenfälle und verheerende Überschwemmungen – alles schreckliche Erscheinungen einer für die Menschheit noch nie dagewesenen Situation. Auch wenn es selbstverständlich ist, dass Naturkatastrophen auftreten, müssen sie den Menschen nicht das Leben, das Zuhause und die Existenzgrundlage kosten. Diese Tragödien und sozialen Schäden sind vermeidbar, und jede einzelne stellt ein Versäumnis der Regierungen dar, ihre Bevölkerung angemessen zu schützen; aber der Bau, die Planung und die Anpassung, die erforderlich sind, um diesen Gefahren zu begegnen, müssen unter der Kontrolle der Arbeiter:innen und der betroffenen Bevölkerung liegen.

Die Auswirkungen des Klimawandels treffen vor allem Jugendliche, Arbeiter:innen und Frauen, Arbeitslose und Obdachlose, die Landbevölkerung und indigene Völker, während eine Handvoll Kapitalist:innen auf der Welt, die Milliardär:innen, deren Reichtum auf unserer Arbeit beruht, den Gefahren des Klimawandels leicht ausweichen können. Sie und ihr System sind für die Zerstörung der Naturkreisläufe verantwortlich, aber sie leiden nicht unter den Folgen.

Die Verantwortung für die globale Erwärmung und die Zerstörung der Ökosysteme hat eine konkrete historische Gestalt: das kapitalistische System. Marx sah eine grundlegende Unvereinbarkeit zwischen nachhaltiger Produktion und Kapitalismus: Durch die Produktion von Waren, so erklärte er, schafft der Kapitalismus einen metabolischen Bruch, der die notwendigen Bedingungen für einen dauerhaften Austausch zwischen Mensch und Natur verändert. Er beschrieb dieses Phänomen zwar im Zusammenhang mit der Verarmung der Bodennährstoffe durch die kapitalistische Landwirtschaft, doch heute erleben wir den gleichen metabolischen Bruch in verschiedenen Erdsystemen, was unsere Böden, das Wasser, die Luft und das globale Ökosystem beeinträchtigt.

Die Irrationalität dieser Produktionsweise macht sie unfähig, eine harmonische Beziehung zum Ökosystem der Erde aufrechtzuerhalten. Sie basiert auf der Ausbeutung von Arbeitskraft, der Kommerzialisierung, Enteignung und Zerstörung der Natur, auf dem unbegrenzten Wachstum von Produktion und Konsum, auf dem Bedürfnis nach Profit anstelle der Bedürfnisse der Menschen. Daher kann sie nicht harmonsich mit dem globalen Ökosystem koexistieren.

Multinationale Unternehmen wie Chevron, Shell, Total, Repsol, ExxonMobil, British Petroleum, ENI (um nur die größten und bekanntesten zu nennen) sind diejenigen, die von der Förderung fossiler Brennstoffe profitieren, während die Regierungen die Konzerne sogar fördern und den Fortbestand ihrer Geschäfte garantieren. Der Kapitalismus bringt eine Reihe selbstzerstörerischer Prozessen hervor, die brutale Auswirkungen auf Menschen und Lebensformen haben, die in vielen Fällen noch unbekannt sind. Die Logik der kapitalistischen Produktion fördert eine Strategie, die eine Region vollständig für Profit aufopfert, bevor sie auf der Suche nach mehr Profit zur nächsten weiterzieht.

Während Millionen von Menschen auf der ganzen Welt an Hunger leiden, hat die Pandemie deutlich gemacht, wie die profitorientierte industrielle Landwirtschaft Ökosysteme zerstört und Bedingungen für das Aufblühen neuer Krankheiten schafft. Die biologische Vielfalt wird zerstört, wenn riesige Landflächen für Monokulturen genutzt werden, was zu einer enormen Anfälligkeit für erntezerstörende Krankheiten führt. Megafarmen mit überfüllten und misshandelten Tieren, die mit Antibiotika vollgepumpt und in Elend gehalten werden, sind ideale Brutstätten für Krankheitserreger wie das Coronavirus, Influenza A und andere Viren. Der Kapitalismus behandelt Tiere als bloße Maschinen, die ausgebeutet werden sollen.

Es gibt dennoch diejenigen, die das Problem auf „die Menschen“ und nicht auf dieses irrationale und anarchische Produktionssystem schieben wollen. Andere sagen, dass es kein Zurück mehr gibt, dass wir bereits einen unumkehrbaren Kurs in Richtung Zusammenbruch eingeschlagen haben. Eine solche Rhetorik behindert unsere Fähigkeit, uns eine andere mögliche Zukunft vorzustellen und aufzubauen. Es hindert uns darin, uns ein anderes soziales System vorzustellen, wie es der Sozialismus ist, eine........

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