We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Protestantischer Gesinnungsethiker

3 6 0
21.10.2019

Gestern verstarb Erhard Eppler im Alter von 92 Jahren. Er war so sehr Teil des Personals der alten Bundesrepublik, daß das Gedenken ganz und gar ehrend ausfällt. Denn an den Politiker Eppler erinnert sich kaum noch jemand, wer es tut, für den sind die Konturen längst verwischt, oder die Gestalt erscheint in altersmildem Licht.

Das hat Eppler nicht verdient. Er war ein Mann, der Anstoß erregte und trotz seines harmlosen Äußeren – Kennzeichen: Kinnbart und Baskenmütze – die Auseinandersetzung suchte. Das hatte auch mit seiner persönlichen Prägung durch NS-Zeit, Krieg und die Herkunft aus dem evangelischen Bürgertum des deutschen Südwestens zu tun. Wie seine Eltern strebte Eppler ursprünglich den Beruf des Lehrers an, sah sich aber rasch in die Auseinandersetzung um Wiederbewaffnung und Westbindung der Bundesrepublik verwickelt.

Wechsel von der GVP zur SPD

Die Position, die er bezog, war zwar nicht mehrheitsfähig, aber im protestantischen Milieu der Nachkriegszeit durchaus verbreitet. Jedenfalls schloß sich Eppler der Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP) an, die der CDU-Dissident Gustav Heinemann gegründet hatte. Unter dessen Einfluß plädierte die GVP für eine Wiedervereinigung durch Neutralität, gegen den Aufbau der Bundeswehr – „Deutsche schießen nicht auf Deutsche!“ – und den EVG- beziehungsweise Nato-Beitritt. Allerdings fand dieses Programm keine........

© Junge Freiheit