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Die Angst vor dem Volk

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Das geistige Wandlitz ist für Deutschlands politisches Personal zum Normalzustand geworden. Eingesponnen im Ghetto der Wohlmeinenden, in dem moralische Haltung und korrekte Phraseologie wichtiger sind als Handlungen und ihre Konsequenzen, haben deutsche Politiker sich angewöhnt, sich selbst und ihr persönliches Streben nach Karriere und Privilegien mit dem Staat und seinen Institutionen gleichzusetzen und jegliche Kritik an ihrem Treiben als frevelhafte Quasi-Majestätsbeleidigung zu betrachten.

Man riecht förmlich den Angstschweiß vor dem Zorn des Volkes. Hinter der Furcht vor „Volksaufständen“ steckt nicht nur die Entfremdung vom demokratischen Souverän, dem Volk, sondern letztlich die blanke Angst vor einer Realität, in der auch Worte nicht folgenlos bleiben und in der politische Repräsentanten und Amtsträger Verantwortung übernehmen müssen für ihre Taten und Entscheidungen.

Die Entfremdung der Regierenden von den Regierten hat eine Vorgeschichte. Sie reicht weit in die zurückliegenden anderthalb Jahrzehnte der Merkel-Herrschaft zurück. Ein paternalistischer Regierungsstil ist seither zur Regel geworden: Wir wissen schon, was gut und richtig ist für die da unten, und wenn sie das nicht kapieren wollen und unzufrieden sind, dann sind sie halt zu doof und es muß ihnen eben noch besser erklärt werden.

Das im Politikersprech vorherrschende „Wir“, von „Wir schaffen das“ bis „Wir müssen uns einschränken“, atmet in mehrfacher Hinsicht den obrigkeitsstaatlichen Ungeist: Mal bezeichnet es im Sinne eines aktualisierten „pluralis maiestatis“ den kollektiven Auftritt einer sich überlegen dünkenden........

© Junge Freiheit


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