menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Eine respektvolle Berlinale scheint möglich

25 33
13.02.2026

13. Februar 2026 – 26. Schwat 5786

AboAngebote PrintAbo-Service

AboAngebote PrintAbo-Service

Eine respektvolle Berlinale scheint möglich

Die 76. Berlinale hat mit Glamour, großen Gefühlen und einem wunderbaren Eröffnungsfilm begonnen. Respekt wurde großgeschrieben am ersten Tag. Nur auf der Pressekonferenz der Jury versuchte Influencer Tilo Jung vergeblich zu polarisieren

Nach einer anstrengenden, erneut anti-Israel-politisierten Berlinale im vergangenen Jahr, war der Eröffnungsabend in diesem Balsam fürs Kino und dessen Anhängerschaft. Auf dem roten Teppich co-existierten Glamour und auf Poster geschriebene Aufrufe für die Freiheit der Menschen im Iran und in Rojava sowie das Hannah Arendt-Zitat »Niemand hat das Recht zu gehorchen«, mit dem die Philosophin einst Eichmann kritisierte. Aber es herrschte Respekt. Kein hasserfülltes Geschrei, keine Aktionen, die das Festival missbrauchten. Im Berlinale-Palast umfing das Publikum eine Atmosphäre der Empathie und der Sehnsucht danach. Während Berlinale-Chefin Tricia Tuttle die Menschen im Saal und am Stream mit aller Wärme willkommen hieß, segnete Jury-Präsident Wim Wenders den Abend mit seiner immer wieder beeindruckenden Zen-Poesie und Sätzen wie »Was auch immer wir ohne Liebe tun, wird keinen Bestand haben«.Hollywoodgöttin Michelle Yeoh (»Everything everywhere all at once«, »Wicked«, »Tiger & Dragon«) wurde der Ehrenbär verliehen, und die Schauspielerin hielt eine auch sie selbst bewegende Rede über ihren Karriereweg, ihre Familie und den Zauber der Kinos, »das uns zusammen mit offenen Herzen im Dunkeln sitzen lässt«, und das »in einer Welt, die uns so leicht gegeneinander aufbringt«.

Lachen, Weinen, Staunen, Lernen

Und dann füllte der Eröffnungsfilm »No Good Men« der afghanischen Filmemacherin Shahrbanoo Sadat Köpfe und Herzen mit einem empathischen Feuerwerk an Gefühlen – der Saal lachte, weinte, staunte und lernte........

© Juedische Allgemeine