Damals in Tschernobyl

24. April 2026 – 7. Ijar 5786

AboAngebote PrintAbo-Service

AboAngebote PrintAbo-Service

EILMELDUNG! Fördergeldvergabe für Antisemitismusprojekte rechtswidrig: Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson entlassen

Damals in Tschernobyl

Im März 1987 arbeitete unser Autor zwei Wochen lang im havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl. Eine persönlicher Bericht über die Zeit in der Sperrzone und wie es danach weitergeht

Es war der bisher folgenschwerste Unfall in der Geschichte der friedlichen Nutzung der Kernenergie: Am 26. April 1986 um 1.23 Uhr Ortszeit kam es im Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl in der damaligen Sowjetunion zu einer Explosion. In der Folge wurden enorme Mengen Radioaktivität freigesetzt. Der bis dahin als undenkbar geltende Unfall überraschte die Menschen im Schlaf. Die gesamte Region um den Reaktor nahe der Stadt Prypjat wurde kontaminiert. Wind und Regen trugen die Radioaktivität auch nach Ost-, Mittel- und Nordeuropa.

Die genaue Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit der nuklearen Katastrophe ist bis heute umstritten. 31 Menschen starben unmittelbar durch die Explosion und kurz nach den Löscharbeiten. Das »Tschernobyl-Forum«, eine Arbeitsgruppe der Internationalen Atomenergiebehörde, schätzte 2005, dass die Gesamtzahl der auf den Unfall zurückzuführenden Todesopfer, vor allem durch Krebserkrankungen, weltweit bei ungefähr 4000 liegt. Andere NGOs, darunter Greenpeace, gehen heute von bis zu 100.000 Toten infolge der Kontamination aus.

Unser Autor Vitalii Miasnikov war im März 1987 als Ingenieur im Einsatz im havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl und hat überlebt. Im Februar 2022 floh er vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland. Er ist Mitglied der liberalen Gemeinde Perusch in Oberhausen. Dies sind seine persönlichen Erinnerungen:

40 Jahre sind seit der Katastrophe von Tschernobyl vergangen. Das ist eine sehr lange Zeit im Leben eines Menschen. Erstaunlicherweise leben einige der damaligen Aufräumarbeiter noch, unter anderem ich selbst.

Ich bin studierter Elektroingenieur und Absolvent des Polytechnischen Instituts Charkiw. Zum Zeitpunkt des Reaktorunfalls arbeitete ich als leitender Ingenieur im Konstruktionsbüro des Charkiwer Elektrogerätewerks. Aufgrund meiner Tätigkeit war ich mit den vom Konstruktionsbüro entwickelten Niederspannungsgeräten bestens vertraut. Dies, zusammen mit einer ärztlichen Bestätigung meines guten Gesundheitszustands und einer positiven Empfehlung der Leitung, war ausschlaggebend für meine Nominierung für eine Mission im havarierten Kernkraftwerk Tschernobyl. Jahre später erfuhr ich, dass die Verwaltung auch meinen Familienstand – geschieden – berücksichtigt hatte. Denn es bedeutete, dass es im........

© Juedische Allgemeine