Erinnerungen im Wohnzimmer |
14. April 2026 – 27. Nissan 5786
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Erinnerungen im Wohnzimmer
Am Holocaustgedenktag kommen in Israel Menschen bei »Sikaron Ba‘Salon« zusammen, um Überlebenden zuzuhören
Wenn in Israel am Erew Jom Haschoa das Leben still wird, beginnt der nationale Gedenktag für die Opfer des Holocaust. In Städten und Gemeinden finden offizielle Zeremonien statt, in Schulen und Militärbasen versammelt man sich zu Gedenkzeremonien. Am nächsten Morgen hält das ganzen Land für zwei Minuten inne, während die Sirenen heulen.
Neben den staatlichen Zeremonien hat sich in den vergangenen Jahren eine andere, sehr persönliche Form des Gedenkens etabliert: Sikaron Ba‘Salon, auf Deutsch etwa »Erinnerung im Wohnzimmer«. Tausende Israelis öffnen an diesem Abend ihre Wohnungen, um gemeinsam mit Freunden, Nachbarn oder auch völlig Fremden der Opfer der Schoa zu gedenken.
Auf einer Dachterrasse in Jaffa hören rund 40 Menschen zu
Auf einer Dachterrasse in Jaffa haben sich am Montagabend etwa 40 Menschen versammelt. Es gibt Tee, Kaffee und Kuchen. Im Mittelpunkt steht ein Mann: Zvi Levin, Holocaustüberlebender, der als Kind aus Weißrussland nach Israel immigrierte. Neben ihm sitzt seine Frau Tova, während er von der Geschichte seiner Familie erzählt. »Ich hatte keine Großeltern, keine Tanten und Onkel«, sagt Levin und muss sich beim Gedanken daran Tränen aus den Augen wischen. »Doch meine Eltern überlebten und bauten eine Familie in Eretz Israel auf.«
Sein Vater David überlebte das Massaker der Nationalsozialisten in seinem Dorf, weil ihn seine Mutter zu den Partisanen in die Wälder schickte. Er war noch ein Junge. »Als meine Großmutter ahnte, dass die Nazis auf dem Weg waren, sagte sie zu ihm: ‚Das ist das Ende. Aber du, versteck dich........