Der Krieg im Kopf |
22. März 2026 – 4. Nissan 5786
AboAngebote PrintAbo-Service
AboAngebote PrintAbo-Service
Wer am meisten leidet: Eine aktuelle Studie zeigt höchste Stresswerte bei arabischen Israelis und Frauen
Wie erleben Menschen in Israel den Krieg und den brüchigen Alltag zwischen Sirenen, Unsicherheit sowie dauerhafter Anspannung? Eine aktuelle Studie zeigt: Die Antwort hängt stark davon ab, wer man ist – von der Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe, von Bildung, Alter und nicht zuletzt vom Geschlecht.
Untersucht wurde dies von der israelischen Sozialwissenschaftlerin Liat Kulik. Die Professorin, die an einer Hochschule in Netanja unterrichtet, fragte während der Militäroperation »Roaring Lion« gegen den Iran rund 270 Menschen im ganzen Land. Die Stichprobe umfasste drei zentrale Bevölkerungsgruppen: die allgemeine jüdische sowie arabische Bevölkerung und Mitglieder der ultraorthodoxen Gemeinden.
Im Zentrum der Untersuchung steht die Annahme der Wissenschaftlerin, dass »Krieg vor allem persönliche Ressourcen wie emotionale Stabilität, soziale Bindungen und wirtschaftliche Sicherheit untergräbt«. Schwinden diese Ressourcen, steige der Stress deutlich. Gleichzeitig könne eine existenzielle Bedrohung auch gegenteilige Effekte haben: »Unter bestimmten Bedingungen sehen wir auch Formen von Wachstum – etwa eine stärkere Resilienz oder ein intensiveres Gemeinschaftsgefühl«, so Kulik.
Menschen berichten in fast allen Bereichen von Verlusten
Die Ergebnisse ihrer Untersuchung zeichnen ein differenziertes Bild der israelischen Gesellschaft in Kriegszeiten: Besonders stark seien arabische Israelis betroffen. Sie berichteten in nahezu allen Lebensbereichen von erheblichen Verlusten: wirtschaftliche Unsicherheit, brüchiger werdende soziale Netzwerke, ein Rückgang von Hoffnung und Glauben sowie eine deutlich geschwächte psychische Widerstandskraft. Auch das Gefühl, Teil einer tragenden Gemeinschaft zu sein, habe gelitten, heißt es in der Studie.
Am anderen Ende der Skala stehen die ultraorthodoxen Befragten. Sie gaben an, vergleichsweise wenig Ressourcen........