19-mal rennen, 19-mal Herzrasen, 19-mal nackte Angst

01. März 2026 – 12. Adar 5786

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19-mal rennen, 19-mal Herzrasen, 19-mal nackte Angst

Statt Purim zu feiern, rennen meine Kinder um ihr Leben und schlafen in Bunkern. Man darf niemals vergessen, dass es die Kinder sind, die in den Kriegen dieser Welt am meisten leiden

Heute hätten meine Kinder lachen sollen, tanzen, singen, grölen und so viele Süßigkeiten futtern, bis ihnen schlecht wird. Für Purim hatten sich mehrere Schulen zusammengeschlossen und eine Riesenparty im größten Park der Stadt organisiert. Mit richtig berühmten Popstars und DJs. Die Vorfreude war riesig.

An ihren Kostümen bastelten sie seit Tagen. Doch sie werden sich nicht verkleiden. Die gepackten Mischlochei Manot voller Bamba, Bisli und Schokolade, die sie an ihre Freunde verteilen wollten, stehen in der Küche. Auch die traditionellen Osnei-Haman-Kekse haben wir nicht gebacken. Statt Purim gibt es Krieg.

Aus heiterem Himmel kam es nicht. Seit Wochen bereits wurde die Rhetorik immer deutlicher und blieb dabei gleichzeitig so vage, dass man weder in Panik verfallen noch über den nächsten Tag hinaus planen konnte. Der Schwebezustand der Ungewissheit legte sich wie eine dicke Wolldecke über unser Leben. Doch keine, die einen warm umhüllt, sondern eine, die unangenehm riecht, kratzt und zu starr und schwer ist, um sich darunter wohlzufühlen.

Anspannung war unser steter Begleiter

Gerüchte kursierten wie unheilvolle Prophezeiungen durch das Land. »Morgen wird es passieren«, sagte jemand, während ein anderer einen Urlaub im Ausland buchte. Doch wohin wir in den vergangenen Tagen auch gingen, war Anspannung unser steter Begleiter, im Hinterkopf immer der Gedanke, dass es jede Minute wieder losgehen kann. Und dann war er tatsächlich da, der Moment, um halb neun am Samstagmorgen. Nach der ersten Tasse Kaffee, und während die Pfannkuchen auf dem........

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