Wie die Kirche beim Thema Iran die Orientierung verliert

02. März 2026 – 13. Adar 5786

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Wie die Kirche beim Thema Iran die Orientierung verliert

Wie die Kirche beim Thema Iran die Orientierung verliert

Wenn im Nahen Osten die Raketen einschlagen, schlagen in Deutschland zuverlässig die Liturgien an. Dann ertönt immer der gleiche Dreiklang: Deeskalation, Dialog, Gebet. Das ist eine beunruhigende Blindheit gegenüber der Realität des iranischen Regimes, findet unser Autor.

Es gehört inzwischen fast zum liturgischen Reflex der großen Kirchen in Deutschland: Kaum knallt es im Nahen Osten, folgt postwendend der Ruf nach »Deeskalation«. Oder die Warnung vor einer Gewaltspirale. Hinzu kommen Worte aus dem kirchlichen Notfallkoffer: Dialog, Verhandlungstisch, Gebet. Alles wohlklingend. Alles moralisch beruhigend. Und angesichts der Angriffe Israels und der USA auf das iranische Regime – alles erschreckend orientierungslos! Denn wer heute ausschließlich zur Deeskalation aufruft, ohne zu benennen, wovon eigentlich deeskaliert werden soll, betreibt keine Friedensethik, sondern verweigert sich aktiv der Realität.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Kirsten Fehrs, warnt vor einer »Gewaltspirale aus Angriff und Vergeltung«. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, betet für alle Beteiligten gleichermaßen. Der Weltkirchenrat fordert ein Ende der Kampfhandlungen und die Rückkehr zum Dialog. Das entspricht dem christlich-kirchlichen Selbstverständnis. Es klingt fromm. Es klingt verantwortungsvoll. Und es klingt – leider – auch so, als hätte man die letzten 45 Jahre iranischer Geschichte verpasst. Denn hier geht es nicht um zwei (oder drei) gleichwertige Konfliktparteien, die sich unglücklich ineinander verhakt haben und denen mithilfe einer Paartherapie geholfen werden kann.

Pazifismus mit politischer Fahrlässigkeit verwechselt

Hier geht es um ein islamistisch-theokratisches Regime, das seit Jahrzehnten seine eigene Bevölkerung unterdrückt, freie Wahlen verhindert, Presse kontrolliert, Frauen entrechtet, Dissidenten foltert, Homosexuelle verfolgt, Menschen öffentlich hinrichtet, religiöse Minderheiten wie die Bahai systematisch diskriminiert und jede Form politischer Freiheit brutal erstickt. Und mehr noch: Es geht um ein Regime, dessen außenpolitische Identität auf der Vernichtungsdrohung gegen Israel und der Dämonisierung der USA beruht. »Kleiner Satan« hier und »Großer Satan« dort. Das sind keine rhetorischen Ausrutscher. Das ist Staatsdoktrin.

Während deutsche Kirchenleitungen nun vor einer Eskalation warnen, erinnern........

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