Ein Eruv für Zürich
Am Freitagmorgen gab die lokale jüdische Gemeinschaft etwas bekannt, was nahezu durchsichtig ist und im Zürcher Stadtbild kaum auffällt. Für observante Jüdinnen und Juden jedoch ist es essentiell: Die Stadt hat nun einen Eruv.
Nach jahrelanger Planung verbindet neu ein rund 18 Kilometer langes, symbolisches Liniennetz mehrere Quartiere – darunter Wiedikon, Enge und Wollishofen, wo der jüdische Einwohneranteil höher ist – zu einem gemeinsamen Bereich.
Innerhalb dieses Eruv-Raums (Eruv heißt auf Hebräisch »Vermischung«) hebt sich das Verbot des Tragens kurzfristig auf, weil der Außenraum zu einem Innenraum und somit symbolisch zu einem Zuhause wird. Der Eruv erlaubt es daher Jüdinnen und Juden, die sich an das Verbot des Tragens an Schabbat halten, Kinderwagen zu schieben, Gebetsbücher mit in die Synagoge zu nehmen »oder einfach mal einen Kuchen mitzubringen, wenn man zum Mittagessen eingeladen ist«, wie Cédric Bollag, der Initiator des Zürcher Eruv-Projekts, gegenüber dieser Zeitung sagt.
Der Eruv-Bereich verläuft entlang bestehender Strukturen wie Tramleitungen, Mauern oder Zäunen. Allfällige Lücken wurden innerhalb der letzten zwei Jahren punktuell durch kleine bauliche Maßnahmen wie schlichte Pfosten und eine dünne Schnur geschlossen – auf konkrete Fadenlänge gerechnet sind das ungefähr 500 Meter, die ergänzt werden mussten und somit »kaum sichtbar, für das gesellschaftliche Zusammenleben jedoch von großer........
