»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam« |
Herr Landau, der »Jom Ijun« 2026 steht unter dem Motto »Gem(ein)sam«. Was steht für Sie als Organisatorinnen und Organisatoren des Zürcher Lerntags am 1. Februar im Zentrum dieses Spannungsfelds?
Ehud Landau: Unserer Meinung nach gibt es in der heutigen Zeit eine starke Tendenz zur Vereinsamung in der Gemeinschaft. Individualität wird großgeschrieben, kann aber auch Einsamkeit bedeuten. Wir gehen zusammen ins Restaurant, doch da sitzt jeder an seinem Gerät. Die Einsamkeit in der Gemeinschaft ist nicht nur in der Allgemeinheit zu beobachten, sondern auch innerhalb der jüdischen Gesellschaft. Auch in unserer kleinen jüdischen Welt sind viele einsam. Junge Menschen streben nach Individualität und treten vermehrt aus den jüdischen Gemeinden aus. Mit unserem Fokus wollen wir ein Schlaglicht auf diese Problematik werfen.
Ron Caneel: Wir wollen am »Jom Ijun« das Spannungsfeld vom Individuum und der Gemeinschaft in seiner ganzen Vielfalt beleuchten und so zum Beispiel der Frage nachgehen, was dies für Jüdinnen und Juden in der Schweiz bedeutet. Wir haben dafür ein breites Programmangebot erarbeitet und hoffen, dass jeder findet, was ihn interessiert: von der sozialen Komponente bis hin zur historischen Sicht.
Inwiefern ist es möglich, angesichts von globaler aber auch innerjüdischer Polarisierung, Krisen und Kriegen, die Gemeinschaftlichkeit herauszuarbeiten?
Landau: Genau dazu dient der »Jom Ijun«. Die meisten Leute, die daran teilnehmen, sind Schweizer Jüdinnen und Juden. Die extreme Polarisierung, die wir weltweit wahrnehmen, manifestiert sich auch im kleinen jüdischen........