Im Einsatz für andere
15. März 2026 – 26. Adar 5786
AboAngebote PrintAbo-Service
AboAngebote PrintAbo-Service
Im Einsatz für andere
Im Einsatz für andere
Jutta Josepovici arbeitete für die ZWST und die Frankfurter Jüdische Gemeinde
Eigentlich sollte Deutschland nur eine Zwischenstation sein. Meine Eltern kamen Anfang der 60er-Jahre mit meinen beiden Brüdern und meiner Oma aus Polen nach Frankfurt am Main. 1966 wurde ich dann geboren. Mein Vater hatte in Frankfurt Fuß gefasst; er arbeitete zwar schwer, konnte aber seine Familie damit ernähren, und so entschlossen sie sich, doch noch eine Weile in der Bundesrepublik zu bleiben. Ich glaube, die sogenannten gepackten Koffer wurden trotzdem nie so ganz ausgepackt.Ich wuchs sehr behütet, liebevoll und jüdisch-traditionell auf, und die Familie als solche spielte durchweg eine wichtige Rolle.
Wir hatten immer ein volles Haus, und die jüdischen Feiertage mit Synagogenbesuch und traditionellen jüdischen Köstlichkeiten, die meine Mutter und meine Tante Lisa backten und kochten, haben wir alle geliebt. Tante Lisa, die selbst leider keine Kinder bekommen konnte, war für mich und meine Brüder wie eine zweite Mutter und las uns alle Wünsche von den Augen ab.
Ich besuchte den jüdischen Kindergarten, die jüdische I. E. Lichtigfeld-Schule und später den Religionsunterricht. Ich war Chanicha und Madricha im Jugendzentrum und bei der Zionistischen Jugend in Deutschland (ZJD) und fuhr regelmäßig auf Machanot. Der damalige Jugendzentrumsleiter Moishale Gerstein und auch die israelische Tanzlehrerin Tirza Hodes waren prägend für unsere Jugend.Tirza hat später auch meine eigenen Kinder auf den Machanot begleitet und ihnen tanzend Israel und seine Mentalität vermittelt. Es war mir enorm wichtig, regelmäßig mit meinen jüdischen Freunden Zeit zu verbringen, und so trafen wir uns auch öfter einfach nur so im Baumweg in den Räumen der Gemeinde oder in der ZJD. Wir warteten immer auf die nächsten Ferien, um unsere Freunde aus ganz Deutschland wiederzutreffen.
Wir wurden überwältigt von Menschen, die mit Koffern in unserem Büro standen
Meine Erziehung und die Einflüsse der jüdischen Gemeinde prägten mein ganzes Leben und den besonderen Bezug zu Israel. Ich bin sicher, dass meine Tätigkeit als Madricha maßgeblich mit meiner Studienwahl zusammenhängt. Ich studierte Sozialpädagogik in Frankfurt und beendete mein Studium 1990 – exakt in dem Jahr, als die große Welle der jüdischen Kontingentflüchtlinge aus der bald ehemaligen UdSSR nach Deutschland strömte.
Es war........
