Wie gewinnt man eigentlich den ESC?

12. Mai 2026 – 25. Ijar 5786

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Wie gewinnt man eigentlich den ESC?

Ein Lied über Krieg? Ein queerer Act? Oder ein Song, über den vor allem Jurys jubeln? Viele Thesen kursieren, wie man den Eurovision Song Contest gewinnt. Zeit für eine Annäherung kurz vor dem Finale

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird es wieder diesen Moment geben: ein Land, ein Siegerlied, ein neuer Gewinner des Eurovision Song Contests. Es ist wieder ESC-Finale. Während die letzten Proben laufen, stellt sich eine alte Frage: Wie gewinnt man eigentlich diese Show?

Sollte man einen Disco-Song über ein historisches Ereignis einreichen wie einst Abba (1974), lieber allein als Sängerin auftreten statt mit einer Band - wie einst Nicole (1982), Céline Dion (1988), Lena (2010)? Sollte man eindeutige Signale an die queere Community senden wie Dana International (1998), Conchita Wurst (2014), Nemo (2024) und Countertenor JJ (2025)?

Fragen über Fragen. Dies ist der Versuch einer aktuellen Annäherung an das Geheimrezept.

Seit Jahren wird in Deutschland immer wieder »der große Name« eingefordert, um mal wieder den ESC zu gewinnen. Aber ist das sinnvoll? Einige Stars wurden durch den ESC geboren - das heißt: erst groß gemacht, darunter Abba, Céline Dion und Julio Iglesias. Wer schon einen Namen hat und denkt, diese Prominenz könne doch helfen, das Ding zu gewinnen, kann ziemlich auf die Nase fallen. 

Prominente Beispiele dafür sind etwa Bonnie Tyler für Großbritannien 2013 (19. Platz von 26 Finalteilnehmern), Engelbert Humperdinck für Großbritannien 2012 (Platz 25) oder auch der US-Rapper Flo Rida für San Marino 2021, der zusammen mit der italienischen Sängerin Senhit antrat (Platz 22). Dieses Jahr stellt sich die Frage, ob bei Senhits erneuter Teilnahme der 80er-Jahre-Superstar Boy George als Sidekick Ministaat etwas bringt.

Auf die ominösen Jurys kommt es an

Seit Jahren haben neben dem Publikum auch nationale Jurys, bestehend aus sogenannten Experten und von den TV-Sendern bestimmt, gleichberechtigtes Stimmrecht im ESC-Finale. Das führte in den vergangenen drei Jahren zu seltsamen Blüten, denn dem Publikumsvoting zufolge hätten ganz andere Länder gewonnen, als es am Ende der Fall war. 

2023 wäre Finnland statt Schweden Sieger gewesen, 2024 Kroatien statt der Schweiz, 2025 Israel statt Österreich. Jedes Mal hatte sich das Jury-Vote mit besonders vielen Punkten für den Sieger durchgesetzt.

Zugegeben: Seit der Wiedereinführung im Jahr 2009 waren die Jurys nicht immer das Zünglein an der Waage. Doch gerade in den vergangenen beiden Jahren war der ESC auffällig weit von einem Einklang von Jury- und Tele-Voting entfernt. Nemo 2024 war beim Publikum nur Fünfter, JJ 2025 nur........

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