Warum ich Zionist bin |
12. Mai 2026 – 25. Ijar 5786
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Warum ich Zionist bin
Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord
Nie wieder möchte ich eine »Nie wieder«-Rede halten oder hören. »Nie wieder« ist eine Phrase für Sonntagsreden geworden. Denn es stimmt einfach nicht. Wenn es stimmen würde, gäbe es keinen Hamas-Terror am 7. Oktober. Wenn es stimmen würde, gäbe es keine »Juda verrecke«-Rufe auf europäischen Straßen. Wenn es stimmen würde, gäbe es keine Angst jüdischer Eltern, ihre Kinder mit einer Kippa in die Schule zu schicken.
Nie wieder ist eine moralische Absichtserklärung ohne Folgen. Nie wieder wäre ja jetzt. Aber jetzt gilt nicht »nie wieder«. Es gilt: immer wieder. Immer wieder Antisemitismus. Immer wieder Gewalt. Immer wieder Täter-Opfer-Umkehr.
Der World Jewish Congress wurde am 13. August 1936 in Genf gegründet. Ich gratuliere von Herzen zum 90. Geburtstag und wünsche für die Zukunft Kraft und Erfolg. Aber Genf ist auch Sitz des UN-Menschenrechtsrats, in dem Israel seit Jahren mit Abstand am häufigsten verurteilt wird – öfter als Syrien, Nordkorea, Iran und Venezuela zusammen. Man setzt sich auch lieber mit angeblichen Menschenrechtsverletzungen in Island auseinander als mit dem Morden in Diktaturen wie Russland oder China oder dem Iran. Das Gremium der UN ist ein Menschenrechtsverdreherrat geworden.
Explosion des Judenhasses
Seit dem 7. Oktober 2023, seit dem grausamsten Pogrom gegen Juden nach der Shoah, erleben wir keine Solidarität, sondern eine globale Explosion des Judenhasses. Der 7. Oktober war kein militärischer Zwischenfall. Es war kein »Konflikt«. Es war ein Pogrom. Menschen wurden ermordet, weil sie Juden waren. Männer wurden bestialisch gefoltert. Frauen vergewaltigt. Kinder gelyncht. Familien ausgelöscht. Weil sie Juden waren.
Was folgte, war unfassbar. Kaum waren die Bilder der Opfer zu sehen, begannen die Relativierungen. Kaum waren die Namen der Ermordeten bekannt, begannen die Rechtfertigungen. Israel wurde beschuldigt, noch während es angegriffen wurde. Wie der UN-Generalsekretär António Guterres es formulierte: Man müsse »anerkennen, dass die Angriffe der Hamas nicht in einem Vakuum passierten«. Nicht in einem Vakuum. Anders formuliert: Schuld sind wieder die Juden.
Anders als oft behauptet, gab es diese Reaktionen nicht erst nach monatelangen Vergeltungsmaßnahmen Israels in Gaza. Es begann sofort. Wenige Wochen nach dem 7. Oktober gab eine Mehrheit junger Amerikaner an, für die Aktionen der Hamas Verständnis zu haben. Eine repräsentative Umfrage der Harvard University ergab, dass 60 Prozent der Amerikaner im Alter zwischen 18 und 24 Jahren der Ansicht waren, dass die »Tötung von 1200 Israelis durch die Missstände der Palästinenser gerechtfertigt war«. Und eine Umfrage des »Economist« dokumentierte, dass zwanzig Prozent der jungen Amerikaner zwischen 18 und 29 Jahren überzeugt sind, dass der Holocaust eine Lüge ist.
Globaler Exportschlager
Der 7. Oktober war der Wendepunkt. Als hätte der Terror der Hamas eine Schleuse geöffnet. Antisemitismus ist kein schwarzer Schatten aus Österreich und Deutschland mehr. Er ist seither zum globalen Exportschlager geworden. Besonders erfolgreich unter jungen Menschen. Modernisiert und verjüngt, fast wie ein Phänomen der Popkultur, breitet er sich rasend schnell in den Vereinigten Staaten aus, in ganz Europa, in Universitäten, in der Kunst- und Kulturszene, in den sozialen Medien und auf den Straßen unserer Städte – in Worten und Taten.
Der Antisemitismus hat weltweit ein neues Ausmaß erreicht. Es ist eine neue Dimension, die seit 1945 unvorstellbar war, eine neue Situation, die neues Denken, neuen Geist und vor allem: neues Handeln erfordert.
Besonders perfide ist der neue, aber alte Antisemitismus dort, wo man ihn am wenigsten erwarten würde: an Elite-Universitäten, in Theaterhäusern, in Museen, in vermeintlich kultivierten Kreisen. Ausgerechnet Künstler, Musiker, Maler, Schriftsteller, Schauspieler und Intellektuelle, die angeblich so feinfühligen Sensoren im Kampf gegen das Autoritäre und Intolerante, sind – nicht alle, aber zu viele – zu eiskalten Opportunisten und Steigbügelhaltern von Geschichtsvergessenheit geworden.
Kälte und Herzlosigkeit
Vielleicht ist es das, was mich an den Reaktionen und Äußerungen so vieler Freunde aus dem Kulturbetrieb am meisten befremdet: die Kälte und die Herzlosigkeit, mit der die Schöngeister dem von Islamismus geprägten Zeitgeist nach dem Mund reden. Wenn man sie fragt, weisen sie das natürlich weit von sich. Antisemiten seien sie selbstverständlich nicht. Aber Israel werde man ja wohl noch mal kritisieren dürfen. Ganz so, als sei diese Kritik etwas Verbotenes – dabei ist sie Alltag.
In Deutschland allein gibt es inzwischen 17 Antisemitismus-Beauftragte, auf nationaler Ebene und auf Ebene der Bundesländer, mit Heerscharen von Mitarbeitern. Eine ganze Bürokratie beschäftigt sich hauptberuflich mit Gewissensberuhigung. Seht her, wie viel wir tun! In der Theorie funktioniert das prächtig, in der Praxis hapert es.
Ein Beispiel: Am 13. April 2026 wurde in Berlin ein Gerichtsurteil im Fall Mustafa A. verkündet, der den Studenten Lahav Shapira brutal zusammengeschlagen hatte. Das Gericht konnte kein antisemitisches Motiv erkennen – denn der Täter hätte sein Opfer »einfach so« krankenhausreif geschlagen, antisemitisch aber wäre die Tat nach Auffassung des Gerichts nur dann gewesen, wenn er seinen Judenhass vorher ausdrücklich angekündigt hätte. Als ob Hass ein Formular ausfüllen müsste, bevor er zuschlägt. Dass auf dem Handy von Mustafa A. ein Video gefunden wurde, in dem es heißt: »Musti hat diesen Judenhurensohn totgeschlagen«, genügte dem Gericht als Indiz nicht.
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Niemand sollte für Axel Springer arbeiten, wenn er Israels Existenzrecht anzweifelt, stellt Mathias Döpfner nach Kritik aus der »Politico«-Redaktion klar
Zeit, Zionist zu sein!
Wir Juden sollten uns nicht verstecken. Wir sollten offen, laut und stolz sein - auch und insbesondere auf den jüdischen Staat
Lassen Sie uns einfach – als Gedankenexperiment – die Namen und Religionen vertauschen. Wie hätte die Reaktion der Medien ausgesehen? Entsetzen. Skandal. Solidarität mit dem Opfer Mustafa. In Wirklichkeit – mit Shapira als Opfer – nichts. Schweigen.
In Frankreich stiegen im Jahr 2023 die antisemitischen Straftaten um das Vierfache. Ein Jahr später machte die........