Frust und Zweifel: Angriffe verunsichern Iraner |
09. März 2026 – 20. Adar 5786
AboAngebote PrintAbo-Service
AboAngebote PrintAbo-Service
Frust und Zweifel: Angriffe verunsichern Iraner
Während viele im Iran die israelisch-amerikanischen Luftschläge gegen ihre Regierung anfangs begrüßten, wächst der Frust über zivile Opfer und Attacken auf Infrastruktur
09.03.2026 11:09 Uhr
Gut eine Woche nach dem Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran wachsen in dem Land teils Verunsicherung und Frust. Die jüngsten Luftschläge auf Öldepots sowie Einschläge in Wohngebieten, historischen Stätten und einer Mädchenschule in Minab im Südiran hätten die Menschen spürbar verunsichert und vielerorts Unbehagen ausgelöst, schilderten Beobachter die Stimmung im Land.
Rauch färbte den Himmel dunkel über Teheran am Wochenende, nachdem Explosionen Öldepots in der iranischen Hauptstadt in Flammen gesetzt hatten. »Die Leute wachten auf und dachten, es sei noch Nacht«, sagte ein Teheraner. Wie ein apokalyptisches Szenario aus islamischen Endzeit-Vorstellungen erscheine ihm seine Stadt, schilderte ein Taxifahrer namens Behsad die Atmosphäre.
Auch, dass in dem Krieg zunehmend die Nachbarstaaten aus dem Iran beschossen werden, beunruhigt Beobachtern zufolge viele Menschen. Die Rechtfertigung der iranischen Regierung, dass die Attacken ausschließlich auf US‑Militärbasen zielten, verfängt auch im Iran längst nicht bei allen. »Wenn auch die uns noch angreifen, dann wandere ich aus«, so Taxifahrer Behsad.
Selbst Regimegegner zweifeln
Die jüngsten Angriffe bringen selbst Regierungsgegner ins Zweifeln, die vor kurzem noch militärischen Druck als einzigen Weg zu einem Machtwechsel befürwortet hatten. »Es ging um einen Regimewechsel, nicht um den Kollaps des Landes oder Angriffe auf Schulen«, kritisiert etwa die Architekturstudentin Faranak die als zunehmend ziellos wahrgenommenen Attacken. Man könne nachts kaum noch schlafen und sei am nächsten Tag entsprechend gereizt, sagte die 26-Jährige.
Bericht: USA prüfen Spezialoperation zur Sicherung iranischen Uranbestands
Eine mögliche Mission dieser Art könnte darauf abzielen, 450 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von etwa 60 Prozent zu sichern
Neue Welle von Luftschlägen gegen den Iran. Dritter US-Flugzeugträger erreicht die Region
Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Mitternacht vier Raketenangriffe aus dem Iran registriert. Derweil erhöht sich der Druck auf das Teheraner Regime weiter
Arabische Liga verurteilt »illegale« Angriffe Irans
Seit Tagen greift der Iran in Nahost militärische Ziele an, aber auch Flughäfen, Wohngebiete und Energie-Infrastruktur. Bei ihrer Notfallsitzung spricht die Arabische Liga von »feigen« Attacken
Der Krieg wird immer mehr zur Belastung im Alltag und bedroht die wirtschaftliche Existenz der Menschen. »Niemand kauft mehr ein, weil viele aus Angst vor Angriffen aus den Städten geflohen sind und unklar ist, wie lange der Alptraum dauern wird«, schildert Amir-Hussein, Supermarktbesitzer aus dem Teheraner Vorort Karadsch, die Lage nach den jüngsten Angriffen.
Anstelle von Neujahrsfreude herrschten vor Norus, dem persischen Neujahr am 21. März, Angst und Ungewissheit. »Der Westen sollte ja alles besser machen, wofür wir ja auch dankbar sind, aber doch nicht das Land lahmlegen und unsere Existenzen bedrohen«, so der 49-Jährige.
Ein im kanadischen Exil lebender iranischer Politologe bewertet die Lage anders. Gegen ein brutales System wie die iranischen Machthaber könne nur mit Härte vorgegangen werden, sagte der Professor in Toronto, der aus Angst um im Iran lebende Angehörige nicht namentlich genannt werden will.
Die Unterstützung militärischer Maßnahmen bedeute auch nicht, dass man das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump oder Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gutheiße. Zudem dürfe man sich nicht von der Rhetorik der Regierung in Teheran beirren lassen, die den Tod der Schülerinnen in der bombardierten Schule in Minab tränenreich beklage. »Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch vor kurzem Zehntausende friedliche Demonstranten vom Regime als Terroristen diffamiert und brutal ermordet wurden«, so der Akademiker. dpa
Auftakt für jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt
Ministerpräsident Sven Schulze betonte als Schirmherr die Bedeutung der Kulturtage als klares Signal der Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Sachsen-Anhalt
Teheran erneut von Explosionen erschüttert
Bewohner berichten von einer neuen Angriffswelle: Kampfjets nähern sich, laute Detonationen sind zu hören
Der Iran-Krieg könnte das Ende der amerikanisch-israelischen Allianz bedeuten
Noch folgt im Kampf gegen das Mullah-Regime eine gute Nachricht auf die andere. Doch sobald der Krieg in die schwierige Phase übergeht, werden auch die Beziehungen zwischen Jerusalem und Washington auf die Probe gestellt werden
von Hannes Stein 09.03.2026
Trump zu neuem Obersten Führer des Iran: »Wir werden sehen, was passiert«
Der Zeitpunkt für ein Ende des Krieges gegen das Teheraner Regime werde gemeinsam mit Benjamin Netanjahu bestimmt, sagt der US-Präsident
Krieg gegen Iran: Israels Armee bittet Bevölkerung um Geduld
Generalstabschef Eyal Zamir: »Es wird noch Zeit brauchen – so lange, wie es eben dauert.«
Sprengstoffanschlag auf Synagoge in Belgien
Der Präsident des Koordinierungsausschusses der jüdischen Organisationen Belgiens (CCOJB), Yves Oschinsky, spricht von einem »äußerst beunruhigenden, antisemitischen Akt«
Iran beschießt Nordisrael - israelische Luftwaffe attackiert Basidsch-Milizen
Die Lage am Montagmorgen
Irans Expertenrat bestimmt Mojtaba Chamenei zum neuen Obersten Führer
Das Gremium rief die Bevölkerung zugleich dazu auf, dem neuen Führer Loyalität zu zeigen
Arabische Liga verurteilt »illegale« Angriffe Irans
Seit Tagen greift der Iran in Nahost militärische Ziele an, aber auch Flughäfen, Wohngebiete und Energie-Infrastruktur. Bei ihrer Notfallsitzung spricht die Arabische Liga von »feigen« Attacken
+49 30 275833 0 Mo-Do 9-17 Uhr Fr 9-14 Uhrverlag@juedische-allgemeine.deredaktion@juedische-allgemeine.de
© 2026 Jüdische Allgemeine Impressum/Datenschutzerklärung/AGB/Privatsphäre