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31. März 2026 – 13. Nissan 5786
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Pessach im Klassenzimmer oder Was Freiheit bedeutet
Es war Freitagnachmittag und eigentlich Wetter für den Spielplatz. Stattdessen schleppte ich meine Tochter durch die ganze Stadt. Sie war eingeladen, in eine Klasse zu gehen, um über Pessach zu erzählen. Ich fand die Idee großartig, sie hatte keine andere Wahl. Also fuhren wir zu diesem Schulhaus und liefen den langen Korridor ab, bis wir vor dem richtigen Raum standen. »Jetzt noch mal durchatmen, dann klopfen wir«, sagte ich zu ihr.
Die Lehrerin hieß uns herzlich willkommen. Die 20 Schülerinnen und Schüler blickten uns erwartungsvoll an. Es kam nicht jeden Tag ein Mädchen ihres Alters in die Klasse, das etwas mitbrachte. Aber was wohl? Die Kinder saßen alle im Kreis, wir setzten uns dazu. Die Lehrerin erzählte der Klasse, es gebe viele Feste und Feiertage im Frühling, und das sei auch der Grund für unseren Besuch. Ich sagte, wir seien jüdisch, und in ein paar Tagen beginnt unser Fest, das Pessach heißt.
»Wieso hatten sie keine Zeit, das Brot gehen zu lassen?«
Dann fing meine achtjährige Tochter an zu erzählen: Die Juden hätten als Sklaven beim Pharao Pyramiden gebaut und irgendwann genug davon gehabt, der Pharao habe sie jedoch nicht gehen lassen, weshalb ihm die Plagen »geschickt« wurden. Der ließ sich davon aber nicht beirren, woraufhin sich die Juden entschieden zu gehen. »Sie hatten bloß keine Zeit mehr, Brot zu backen, das aufging.«
Da kam die erste Frage aus der Klasse: »Wieso hatten sie keine Zeit, das Brot gehen zu lassen?«, wollte ein Mädchen wissen. Die Lehrerin lächelte und nahm den Faden wieder auf: »Es blieb keine Zeit für lange Vorbereitungen. Deshalb backten sie ungesäuertes Brot, also Brot ohne Hefe, das nicht aufgehen muss.« Stimmt, Brot wird ja mit Hefe gemacht, las ich den Kindergesichtern ab. »Daran erinnert bis heute das Pessach-Fest«, fuhr ich dann fort, »dass wir heute frei sind.«
In dem Moment merkte ich, mit welcher Selbstverständlichkeit Freiheit jeweils genannt wird. Sollte ich weitermachen? Freiheit definieren? Die ausgedruckten Bilder an der Tafel hinter mir retteten mich. Darauf war unser Sedertisch zu sehen – selbstverständlich mit den aufgestellten Playmobilfiguren und dem blauen Papier, das an das geteilte Meer erinnern sollte.
Jede Frage war berechtigt.
Meine Tochter erzählte weiter: »Die Israeliten wollten aus Ägypten raus, vor ihnen lag ein großes Meer, das sich auf einmal spaltete …« Nun sprudelten die Fragen aus den Kindern heraus: »Wie kann sich das Meer spalten?«, »Wer hatte es gespalten?« oder »Ging es danach wieder zusammen?« Jede Frage war berechtigt, und mir wurde klar, dass sich einst vielleicht nicht nur das Meer auftat, sondern einmal mehr diese große ungelöste Lücke zwischen Tradition und Glaube. Wie sollte ich diesen Kindern vor mir erklären, dass sie total recht haben, dass es wohl unwahrscheinlich war, dass sich diese große Wassermasse teilte, und dass hier eine Mutter und ihre Tochter sitzen, die auch daran zweifeln, sich dennoch Jahr für Jahr diese Geschichte erzählen?
Die Lehrerin federte behutsam ab, indem sie sagte: »Für jene, die daran glauben, war es so. Dann ist es richtig.« Ob sie damit alle Zweifel wirklich ausräumen konnte, blieb offen. Zum Glück hatte ich eine Packung Mazzot dabei. Und schon war ich bei der nächsten Baustelle: Wieso essen wir dieses ungesäuerte Brot, das eigentlich nach nichts schmeckt, freiwillig eine ganze Woche lang? In diesem Moment läutete die Klingel, die Schulstunde war vorüber – und wir waren frei.
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