Der Fuchs, die Gans und der Rambam |
30. April 2026 – 13. Ijar 5786
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Der Fuchs, die Gans und der Rambam
Eine Illustration in der Kölner Abschrift der »Mischne Tora« scheint auf das Volkslied anzuspielen. Doch dies entstand viel später
Jedes Kind, das in Deutschland aufwächst, kennt wohl das Lied »Fuchs, du hast die Gans gestohlen«. Das Tier, das aus einem Gehöft den Sonntagsbraten des kleinen Mannes entwendet hat, wird mit einer deutlichen Warnung versehen: Wenn es die Gans nicht zurückbringe, werde es vom Jäger um sein Leben gebracht.
Die moralisierende Geschichte, die der Komponist Ernst Anschütz (1780–1861) im Jahr 1824 zu einem bekannten deutschen Volks- und Kinderlied dichtete, ist in Wort und Melodie eingängig. Weniger bekannt ist jedoch die Verbindung des Liedes zum mittelalterlichen Philosophen Maimonides, dem Rambam. Manche kunsthistorische Forschungen legen dies nahe.
Der Rambam vollendete nach zehnjähriger Arbeit 1180 seine Zusammenstellung der Mischne Tora, die das Talmudstudium vereinfachen sollte. Als erste große Enzyklopädie jüdischer Gesetzestexte stellte sie dem Leser Wissen und Kommentare zu praktischen Ritualen, Ethik und Philosophie in gesammelter Form zur Verfügung.
Kölner Handschrift von 1269
1926 brachte die jüdische Kunsthistorikerin Elisabeth Moses (1894–1957) eine Kölner Abschrift der Mischne Tora erstmals in Zusammenhang mit dem genannten Kinderlied. Diese Handschrift wurde 1296 von Nathan ben Simeon haLevi fertiggestellt. In dieser Abschrift des maimonidischen Werkes, die auch als Kaufmann Mischne Tora bekannt ist, finden sich unzählige prächtige........