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»Ich habe mich nie versteckt«

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29.08.2021

Es ist immer die Frage: Ist man Jude in Deutschland, jüdischer Deutscher oder deutscher Jude? Ich würde sagen, ich bin Jüdin in Deutschland. Ich komme aus einem traditionell geprägten jüdischen Elternhaus. Geboren bin ich 1992 in Wiesbaden. Dort bin ich auch aufgewachsen, mit einer Ausnahme: Als Kind war ich zehn Monate in Haifa im Kindergarten. Ich habe die deutsche und die israelische Staatsbürgerschaft.

Meine Mutter kommt aus Israel und stammt von ukrainischen Juden ab. Ich bin immer ganz stolz auf meine Mutter: Sie war Haupt- und Realschullehrerin in Wiesbaden und stand immer offen dazu, dass sie aus Israel kommt und jüdisch ist. Sie hat alle Herzen der Kinder gewonnen. So bin ich auch groß geworden – vor allem mit dem Bild, dass alle Menschen gleich sind, und dem Ideal »Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg auch keinem andern zu«. Mein Vater ist gebürtig aus Peru, stammt aber von deutschen Juden ab. Es ist ein guter Mix.

In Wiesbaden bin ich überwiegend mit nichtjüdischen Freunden aufgewachsen, weil die Gemeinde dort relativ klein ist. Ich liebe die Wiesbadener Gemeinde, weil ich dort groß geworden bin. Ich war immer ein aktives Gemeindemitglied. Meine Freunde waren aber vor allem in der Schule. Dort war ich mitunter die einzige Jüdin in der Klasse, bis auf ein halbes Jahr, wo es eine weitere gab.

Wenn in der Schule ein Judenwitz fiel, habe ich immer klar Stellung bezogen.

Nach meinem Abitur 2011 bin ich für zehn Monate nach Israel gegangen. Ein Grund dafür war, dass mir der Austausch mit anderen jungen Juden in meinem Alter gefehlt hatte. Ich habe ein Volontariat in einem Jugenddorf in Gan Yavne bei Asch-
dod absolviert. Dort war ich unter anderem Betreuerin für Kinder aus schwierigen Verhältnissen. Es war anders, als immer nur zur Familie zu fahren. Diese Zeit war nicht ganz ohne für jemanden, der gerade Abitur gemacht hat. Raketen gab es auch immer wieder – eine Herausforderung, wenn man gleichzeitig auf Kinder aufpassen musste.

UNI Anfangs stand noch im Raum, in Israel zu bleiben. Aber ich entschied mich, für das Studium zurück nach Deutschland zu kommen. Das........

© Juedische Allgemeine


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