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»Die Realität ist immer unerwartet«

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09.09.2021

Herr Libeskind, am 11. September 2001 sollte das Jüdische Museum Berlin (JMB) erstmals für das Publikum geöffnet werden. Dann kamen die Terroranschläge auf das World Trade Center dazwischen. Jetzt, 20 Jahre danach, sind die Taliban wieder in Kabul an der Macht.
Das ist natürlich schockierend -– und letztendlich auch eine Konsequenz der Anschläge von 9/11. Dieser Terroranschlag hat nicht nur die Twin Towers zerstört, sondern die Welt verändert. Die jüngste Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat uns erneut gezeigt, dass sich die Welt sehr unerwartet in unterschiedliche Richtungen entwickeln kann.

Wenn Sie sich an den 9. September 2001 erinnern, an das festliche Eröffnungskonzert im Jüdischen Museum Berlin und die Tage danach – was kommt Ihnen in den Sinn?
Es war ein großartiges, jahrelang vorbereitetes Event. Politiker und Repräsentanten jüdischer Gemeinschaften weltweit waren gekommen, es war eine wundervolle Party. Aber diese fantastische Stimmung wurde sehr schnell durch die Anschläge von 9/11 zerstört. Wir werden uns immer daran erinnern, dass das Jüdische Museum Berlin eigentlich am 11. September 2001 seine Dauerausstellung hätte öffnen sollen. Das wird für immer mit diesem Datum verbunden sein. Die Realität ist immer unerwartet.

Die Ausstellung öffnete dann zwei Tage später, am 13. September. Wie haben Sie 9/11 erlebt?
Ich war in Berlin, wir haben die Bilder im Fernsehen gesehen. Es war ein Schock. Und ich habe spontan gesagt: »Ich muss zurück nach New York.« Ich weiß nicht, warum ich das gesagt habe. Ich wusste natürlich noch nicht, dass ich später nach New York zurückkehren und der Masterplaner für den Wiederaufbau von Ground Zero werden würde. Meine ganze Familie aus den USA war damals in Berlin, weil wir kurz vor der Eröffnungsgala des JMB die Batmizwa meiner Tochter gefeiert haben. Am 11. September saßen meine Freunde und meine Familie schon im Flugzeug auf dem Rückweg in die Staaten, aber die Flugzeuge konnten wegen der Anschläge nicht landen. So kehrten sie wieder zurück nach Berlin. In meinem Gedächtnis gehört all das zusammen. Es war eine sehr........

© Juedische Allgemeine


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