Niedersachsens Linke weist Antisemitismus-Vorwurf zurück |
19. März 2026 – 1. Nissan 5786
AboAngebote PrintAbo-Service
AboAngebote PrintAbo-Service
Niedersachsens Linke weist Antisemitismus-Vorwurf zurück
Nach scharfer Kritik verteidigt Niedersachsens Linke ihren Beschluss zum Nahostkonflikt. Wie die Landeschefs das umstrittene Papier begründen
19.03.2026 09:14 Uhr
Die Linke in Niedersachsen weist den Vorwurf des Antisemitismus nach einem umstrittenen Parteitagsbeschluss zurück. »Für uns ist klar: Antisemitismus hat in unserer Partei keinen Platz. Jüdisches Leben muss geschützt werden – überall und jederzeit«, erklärten die Landesvorsitzenden Thorben Peters und Hilke Hochheiden auf Anfrage.
Hintergrund ist ein Beschluss des Linken-Landesverbands vom Wochenende, der sich gegen den »real existierenden Zionismus« richtet. Darin werden auch Vorwürfe angeführt, wonach die israelische Regierung im Gazastreifen einen »Genozid« betreibe und in Israel und den besetzten Gebieten »Apartheid« herrsche. Zionismus ist eine im 19. Jahrhundert entstandene politisch-religiöse Bewegung mit dem Ziel, einen jüdischen Nationalstaat in Palästina zu errichten.
Bei CDU, SPD und Grünen sowie Niedersachsens Antisemitismusbeauftragtem und der Israelitischen Kultusgemeiden Niedersachsens stieß der Beschluss der Linken auf scharfe Kritik. Auch in der Partei selbst gab es Kritik, Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner trat sogar aus. Der Zentralrat der Juden kritisierten den Beschluss ebenfalls als antisemitisch. »Dem Judenhass, den sie in zahlreichen Lippenbekenntnissen von sich gewiesen hat, bietet die Linkspartei damit ein Zuhause«, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der »Neuen Osnabrücker Zeitung«.
»Es bleibt eine Sekte«
Andreas Büttner verlässt die Partei, weil ein Landesverband den Zionismus ablehnt. Das sorgt innerhalb der Linken für Diskussionen
»Linkspartei bietet Judenhass ein Zuhause«: Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik
Der jüngst gefasste Beschluss gegen »den heute real existierenden Zionismus« vertreibe »jene Stimmen aus der Partei, die noch einen moralischen Kompass besitzen«, betont Josef Schuster
Linke: Kritisieren israelische Regierung, nicht Juden
Peters und Hochheiden teilten mit, es müsse legitim sein, konkrete Politik zu kritisieren und politische Entwicklungen zu diskutieren: »Für uns ist entscheidend, dass Kritik an Regierungspolitik nicht mit Antisemitismus gleichgesetzt wird. Wir kritisieren die israelische Regierung und ihre Politik – nicht Jüdinnen und Juden in Deutschland. Die haben damit nichts zu tun, sondern verdienen Schutz. Wo Kritik an der Politik oder Ideologie der israelischen Regierung herangezogen wird, um Angriffe auf jüdisches Leben zu rechtfertigen, verurteilen wir dies aufs Schärfste.«
Beide Landeschefs stimmten dem Antrag auf dem Parteitag zu und halten den Kern des Beschlusses auch weiter für richtig: »Gleichzeitig sehen wir auch, dass einzelne Formulierungen missverständlich sein können. Es ist unglücklich, wenn ein Beschluss den Eindruck erweckt, eine Schlagseite zu haben.«
Parteichefs überrascht von Reaktionen
So werde der Begriff des Zionismus unterschiedlich verstanden. Für sie sei der Kontext des Beschlusses entscheidend, der sich auf konkrete politische Handlungen beziehe und ausdrücklich zwischen unterschiedlichen Strömungen unterscheide, erklärten Peters und Hochheiden.
Dass der Beschluss derart hohe Wellen schlägt, hat die Landesspitze nach eigenem Bekunden überrascht. Sie hätten »nicht damit gerechnet, dass der eigentlich differenzierte Beschluss derart stark missverstanden wird«, erklärte das Führungsduo. Die öffentliche und innerparteiliche Diskussion werde sehr ernst genommen und im Landesverband sorgfältig ausgewertet. dpa/ja
Katar: Israels Angriff auf Gasanlagen »unverantwortlich«
Im Persischen Golf befindet sich das größte Gasfeld der Welt. Ein Angriff auf damit verbundene iranische Anlagen sorgen auch in Katar für Empörung
Preis von Union progressiver Juden für Bundesministerin Prien
Sie ist die erste Bundesministerin mit jüdischen Wurzeln. Nun wird Karin Prien für ihre Verdienste für das Judentum in Deutschland geehrt. Sie empfinde die Würdigung vor allem als Auftrag, sagt sie
von Nikolas Ender 18.03.2026
Merz über Iran-Krieg: »Wir hätten abgeraten«
Allen Aufforderungen des US-Präsidenten an die Europäer zum Trotz bleibt Kanzler Merz in Sachen Iran-Krieg hart. Vor dem EU-Gipfel in Brüssel setzt er auf mehr europäisches Selbstbewusstsein
USA ermöglichen Recherche zu Nazis in der eigenen Familie
War der eigene Opa ein Nazi? Diese Frage kann nun über das US-Nationalarchiv beantwortet werden. Erstmals wurden die überlieferten Mitgliedskarteien der NSDAP vollständig ins Netz gestellt
von Sabina Crisan, Marc Fleischmann 18.03.2026
»Teil der iranischen Militärstrategie«
Die jüdische Gemeinschaft wird von einer weltweiten Serie von Terroranschlägen erschüttert. Der Experte Hans-Jakob Schindler erklärt, was das mit der hybriden Kriegsführung des iranischen Mullah-Regimes zu tun hat
von Ninve Ermagan 18.03.2026
Was im Iran-Krieg bisher erreicht wurde
Israelis und Amerikaner können durchaus schon militärische Erfolge gegen den Iran vorweisen. Das Mullah-Regime wird definitiv schwächer aus diesem Konflikt herauskommen, als es hineingegangen ist
von Sima Shine 18.03.2026
Als die Donau durch Kakanien floss
Zur Leipziger Buchmesse: Eine (jüdische) Vision für ein Europa der Regionen, Religionen und der Vielfalt
von Awi Blumenfeld 18.03.2026
Erneute Antisemitismus-Skandale bei der Deutschen Welle
Medienberichten zufolge haben zwei arabische Mitarbeiter des deutschen Auslandssenders in den sozialen Netzwerken Hassposts über Israel verbreitet
Die Hertie School ist eine seltene Ausnahme
An der privaten Hochschule wurde die Studierendenvertretung für eine Pro-BDS-Resolution abgestraft. Das ist ein wichtiges Signal. Doch das Problem des Antisemitismus an deutschen Universitäten reicht viel weiter
von Ron Dekel 18.03.2026
+49 30 275833 0 Mo-Do 9-17 Uhr Fr 9-14 Uhrverlag@juedische-allgemeine.deredaktion@juedische-allgemeine.de
© 2026 Jüdische Allgemeine Impressum/Datenschutzerklärung/AGB/Privatsphäre