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Vergessener Komponist

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15.09.2021

Diese Begegnung hatte Folgen: Als Kantor Isidoro Abramowicz für seine Doktorarbeit in Archiven über Berliner Kantoren recherchierte, stieß er auf Arno Nadel. Seine Neugier war sofort geweckt. Das Ergebnis der mehrjährigen Forschung konnten die Beter der Synagoge Pestalozzistraße zu Rosch Haschana in ihren Händen halten, denn nach dem Gottesdienst bekam jeder die frisch aufgenommene CD Schire Simroh mit Kompositionen von Arno Nadel (1878–1943) geschenkt.

Isidoro Abramowicz, der auch Leiter der Kantorenausbildung am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam ist, hat sich an diesem sonnigen Herbstnachmittag Zeit genommen, um den Komponisten im Innenhof der Synagoge vorzustellen.

orgelmusik Orgelmusik erschallt aus dem Gotteshaus. Jakub Stefek, Organist dieses Projekts, übt gerade zufällig. Doch wer war Arno Nadel? »Er ist komplett unbekannt, dabei war er ein fantastischer Künstler, Illustrator, Philosoph, Sammler von Synagogenkompositionen, Organist, Lehrer und Komponist«, sagt Abramowicz.

Anders ausgedrückt: »Er war einfach unglaublich.« Im Booklet zu der CD ergänzt der Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov: »Auf jedem dieser Gebiete war Nadel außerdem geradezu unwahrscheinlich produktiv, so produktiv, dass man sich mit Ehrfurcht fragen muss, wie ein Mensch im Laufe seines Lebens derart viele geistige Werke zu schaffen vermochte.«

Schon seine Vielseitigkeit hätte diesen außergewöhnlichen Menschen vor dem Vergessen bewahren sollen. Der Großteil von Nadels Kompositionen ist verschollen. Doch die Musiker haben sich auf die Suche gemacht. Sie reisten dazu auch in die USA – unter anderem durchforsteten sie die Schreiber Jewish Music Library in Philadelphia, wo Nadels Nachlass archiviert ist – und nach Jerusalem, wo sie in der National Library of........

© Juedische Allgemeine


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