Stimme des Neubeginns |
07. Mai 2026 – 20. Ijar 5786
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Stimme des Neubeginns
Stimme des Neubeginns
Anfang 1946 kehrten Karl und Lilli Marx aus dem britischen Exil nach Deutschland zurück und übernahmen in Düsseldorf die Herausgeberschaft eines jüdischen Gemeindeblattes. Im Laufe der Jahre ging daraus die Jüdische Allgemeine hervor. Porträt eines Vermittlerpaares
Nein, er heißt nur so. Und ob es verwandtschaftliche Verhältnisse zu dem weltberühmten Staatsphilosophen gleichen Namens gibt, darüber kann nur spekuliert werden. Die Rede ist von dem Journalisten Karl Marx, geboren 1897 in Saarlouis, der ebenso wie sein Namensvetter einer jüdischen Familie entstammte, die seit vielen Generationen in der Region um Trier und im Elsass lebte.
Beide mussten Deutschland verlassen: Der 1818 geborene Karl Marx emigrierte aufgrund der rigiden preußischen Zensurbestimmungen zuerst nach Frankreich und später nach Großbritannien. Bei dem anderen Karl Marx ging es hingegen ums nackte Überleben, weil in Deutschland mittlerweile die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten. Auch er fand Schutz in Großbritannien.
Eher ambivalente bis ablehnende Haltung
Damit hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf. Während der erste Karl Marx zu seinem Judentum eine eher ambivalente bis ablehnende Haltung einnahm, sodass er sogar zum Protestantismus konvertierte, hatte der zweite zeit seines Lebens eine sehr enge Bindung zum Land seiner Herkunft und verstand sich stets als stolzer Jude.
Auch sollte Karl Marx eins bis zu seinem Tod nie wieder nach Deutschland reisen. Karl Marx zwei aber beschloss nach Kriegsende, in seine alte Heimat zurückzukehren, wo er sich nicht nur als Publizist die nächsten zwei Jahrzehnte für einen Neuanfang jüdischen Lebens in Deutschland einsetzte, sondern ebenfalls zu einer gewichtigen Stimme der jüdischen Nachkriegsgemeinschaft werden sollte.
Ein für Presselizensen zuständiger britischer Offizier bat Marx, den Job zu übernehmen.
Ein für Presselizensen zuständiger britischer Offizier bat Marx, den Job zu übernehmen.
In Düsseldorf übernahm Karl Marx im Herbst 1946 das wenige Monate zuvor gegründete »Jüdische Gemeindeblatt für die Rheinprovinz und Westfalen«, da er von den Briten zum Lizenzträger, so die offizielle Bezeichnung, für jüdische Zeitungen ernannt wurde. Seit einer Sonderausgabe vom 15. September 1946 wird er als Herausgeber genannt.
Dabei sei das keine Selbstverständlichkeit gewesen, betont die Historikerin Andrea Sinn in ihrem BuchJüdische Politik und Presse in der frühen Bundesrepublik. Denn die britischen Besatzungsbehörden hatten oftmals massive Bedenken, wenn es um Remigranten in der Presse ging. Sie könnten politisch problematisch sein, so die Befürchtung. Trotzdem erschien damals, so erinnerte sich später Lilli Marx, selbst eine aus Deutschland geflohene Jüdin, die 1944 Karl Marx im Exil in Großbritannien kennengelernt und 1947 geheiratet hatte, ein für Presselizenzen zuständiger britischer Offizier und bat ihren Mann, den Job zu übernehmen.
Mangelnde praktische Erfahrung........