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Segen und Fluch

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thursday

06. August 2026 – 23. Aw 5786

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Warum die Tora uns die Wahl lässt – aber dennoch zum Leben aufruft

Paraschat Re’eh beginnt mit einer ungewöhnlichen Anweisung: »Siehe, Ich lege euch heute Segen und Fluch vor« (5. Buch Mose 11,26). Wenn wir einmal davon absehen, dass die Anrede in diesem Satz vom Singular zum Plural wechselt, verblüfft in diesem wichtigen Vers vor allem die Betonung des Sehens. Im zweiten Abschnitt des Schma, einem anderen bedeutsamen Text (11,13), mit dem wir den vorherigen Wochenabschnitt Ekew abgeschlossen haben, war noch das Hören der zentrale Ausdruck unseres Bundes mit dem Ewigen. »Wenn ihr auf meine Gebote hört«, hieß es da, woraufhin die Tora Segen und Fluch als Folge von Gehorsam oder Ungehorsam darlegte. Nun rückt an diese Stelle das Sehen. Dies bedarf einer Erklärung.

Eine der zentralen Warnungen des vorangegangenen Abschnitts galt der Gefahr des Götzendienstes. Dort (11,16) heißt es: »Hütet euch, dass euer Herz nicht verführt werde (jifte).« Über die Bedeutung des Wortes »jifte« streiten die Kommentatoren seit Jahrhunderten. Geht es dabei um einen äußeren Akt der Täuschung – dass das Herz also von äußeren Einflüssen irregeführt wird – oder doch eher um eine innere, gleichsam selbst initiierte Verführbarkeit? Verschiedene Deutungen sind üblich. Auf jeden Fall scheint dieser Vorgang aber dem zu entsprechen, was wir im dritten Abschnitt des Kriat Schma gewissermaßen als Erklärung des zweiten lesen: »Auf dass ihr euren Augen nicht nachhurt.« Wir entfernen uns von Gott, der Tora und unserem Volk nicht nur durch den Vorgang des Hörens, sondern auch – oder vielleicht primär – durch das Sehen. Nicht umsonst werden kanaanitische Kultpraktiken von den Propheten in äußerst sinnlichen, körperlichen Begriffen verstanden und getadelt.

Die israelische Toraforscherin Zippora Lifschitz bezeichnet unseren Wochenabschnitt als »Gebotsrede«

Doch hält unsere Parascha noch mehr bedeutsame Botschaften für uns bereit. Die israelische Toraforscherin Zippora Lifschitz bezeichnet den mittleren Teil des 5. Buches Mose, der mit unserem Wochenabschnitt Re’eh beginnt, gar als die »Gebotsrede«. Dieser Mittelteil........

© Juedische Allgemeine