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Leserbriefe zur documenta, Bandera und Wittenbeger „Judensau“

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01.07.2022

Kunst
Philipp Peyman Engel: »documenta der Schande. Die zahlreichen Antisemitismusskandale bei der Ausstellung markieren eine Zäsur. Nun müssen harte Konsequenzen folgen« (Jüdische Allgemeine vom 23. Juni)

Ihr Artikel zur documenta erschüttert mich, und ich kann Ihnen nur zustimmen. Die ganze Sache klingt wie aus dem Irrenhaus entsprungen. Was es aber nicht ist: ein amateurhafter Fauxpas! So etwas geschieht, wenn dementsprechende Unterströmungen vorhanden sind. Sonst bezeugte es ja vollkommene Tölpelhaftigkeit der Verantwortlichen bis hin ins Ministerium. So oder so: eine widerliche und schwere Schande! Ich bin gespannt auf die Konsequenzen.
Gunther Erben (per E-Mail)

Herr Engel zeichnet die documenta aus Sicht eines weißen (alten) Mannes, der noch nicht einmal weiß, dass hier eine satirische Arbeit von 2002 gezeigt wird!
Patricia Wolf (per E-Mail)

Sie haben soo recht mit Ihrem Artikel. Claudia Roth müsste wirklich nach so einem Desaster darüber nachdenken, zurücktreten (oder von ihrer Partei zurückgetreten werden). Die Documenta-Chefin Sabine Schormann und auch die hessische (grüne !) Kulturministerin Angela Dorn sind sowieso rücktrittsreif! Zu Claudia Roth: Wer so ein wichtiges Amt hat, muss rechtzeitig eingreifen. Das Gerede hernach ist einfach Gerede, Geplapper. Glaubt kein Mensch. Das Amt einer Kulturstaatsministerin verlangt mehr. Nämlich Verantwortung! Aber sie kann offenbar nicht anders. Denn wer 2019 gegen den so richtigen BDS-Bundestagsbeschluss gestimmt und argumentiert hat (gemeinsam mit Jürgen Trittin, na klar!), der hat das ja nincht unbedacht getan, sondern aus Überzeugung. So jemand denkt auch weiter so, aus Überzeugung. Und deshalb hat sie nichts gegen dieses widerliche antisemitische Bild unternommen, hätte sie ja auch längst im Vorfeld tun müssen. War doch bekannt! Oder ist ihr nichts in den wochenlangen Diskussionen aufgefallen? Ist ihr nicht in den Wochen vor dieser Documenta aufgefallen, dass niemand aus Israel dazu eingeladen wurde? Wenn ihr so gar nichts aufgefallen ist, ist sie unfähig für dieses Amt. Und wenn ihr etwas aufgefallen ist, und sie dennoch nichts unternommen hat, ist sie nicht tragbar für dieses Amt. Hilft alles nichts: sie ist und bleibt BDS-nah. Bei allem, was sie jetzt sagt und auch nicht sagt, also unterlässt, wird ihr das anhängen. Für so ein Amt eine zu hohe Bürde. Es war ohnehin ein Fehler der SPD, dieses Amt abzugeben. Man fasste sich an den Kopf!

Lea Rosh, Vorsitzende Förderkreis »Denkmal für die ermordeten Juden Europas« (per E-Mail)

Ich habe Ihren Kommentar zu den Ereignissen von Kassel gelesen und bin voll Ihrer Meinung. Frau Roth hat das Ganze meiner Meinung nach bewusst zum Eklat geführt. Wenn man sich den Ablauf anschaut, kann man davon ausgehen, dass das keine naive Haltung von Frau Roth war, das war bewusst und provokant organisiert. Man hat sich nur dabei verschätzt, welche Reaktionen das hervorruft. Dass die Vorkommnisse ein Skandal sind, muss man nicht betonen, das steht außer Frage. Was mich aber viel mehr erschreckt, sind die Umstände und die Reaktionen. Ich bin 1963 in Essen geboren. Ich bin Bürger nichtjüdischen Glaubens. Ich hätte es mir selbst nicht denken können, aber ich schlafe nachts nicht mehr durch, weil mich das Thema nicht ruhen lässt. Was ist mit diesem Land passiert, dass wir im Jahre 2022 mit Steuergeldern Judenhass subventionieren? Dass Politiker in führender Rolle nicht bereit sind, in den Dialog mit Mitbürgern jüdischen Glaubens zu treten? Zwei Jahre nach dem rechtsmotivierten Mord an Walter Lübcke wird in demselben Bundesland die jüdische Kultur von der vielleicht größten Kulturausstellung der Welt ausgeschlossen und Antisemitismus mit Steuergeldern vorangetrieben, und das auf einem öffentlichen Platz, mitten in einer deutschen Großstadt. Dass Frau Roth jetzt erklärt, das alles nicht geahnt zu haben, und auf Vertrauen gesetzt haben will, glaubt doch kein Mensch. Sie hat schon 2019 gegen die BDS-Resolution im Bundestag gestimmt, im Übrigen jetzt auch noch dagegen verstoßen und ihre politische Überzeugung gegen Israel zur Schau gestellt. Wenn wir es ernst meinen, Israel zur Seite zu stehen, dann muss Frau Roth aus allen öffentlichen Ämtern ausscheiden. Dass sie immer noch an ihrem Posten klebt, ist unerträglich für Deutschland und zumindest ein ebenso großer Skandal wie die öffentliche Zurschaustellung antisemitischer Bilder.
Rüdiger Katz (per E-Mail)

In den 1980er-Jahren war Claudia Roth Managerin der Deutschrockgruppe »Ton Steine Scherben«, deren Frontmann bekannterweise Rio Reiser war. Weniger bekannt ist, dass TSS unter Frau Roths Management in die Pleite schlitterte. Trotz dieses Vorlaufs war ich der Meinung, dass der Posten der Kulturstaatsministerin im Grunde eine gute Wahl für sie sei. Ehrlich gesagt, weil ich glaubte, dass sie dort keinen großen Schaden anrichten kann. Außerdem ist sie doch eigentlich ein netter Mensch. Und sie nervt nicht, solange man mit ihr nicht über Politik redet. Insofern glaubte ich, wie gesagt, dass das in Ordnung gehen würde mit ihr als Kulturstaatsministerin. Aber da habe nicht nur ich mich gründlich geirrt. Nach dieser moralischen Pleite der documenta, für die Frau Roth ein gerütteltes Maß an Verantwortung trägt, muss sie zurücktreten. Eine ehrliche Aufarbeitung dieses Skandals würde auch beinhalten, dass ein Teil der demokratischen Linken in Deutschland endlich nicht mehr verdrängt,........

© Juedische Allgemeine


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