Im Tunnel |
Gefühlt Tausende von Zeitungsberichten und Analysen haben wir seit dem 7. Oktober 2023 gelesen und gemeint, fast alles Wichtige über dieses Massaker zu wissen. Wir haben Filme und Dokumentationen gesehen, wir haben Zeugen gehört und mit ihnen gelitten. Wozu also ein Buch?
Der Suhrkamp Verlag hat die Rechte zu Eli Sharabis 491 Tage in den Tunneln der Hamas erworben und es publiziert. Eine richtige, weitsichtige und kluge Entscheidung. Mit Sharabi lernen wir gesellschaftliche Strukturen in Gaza kennen, die viele Korrespondenten unserer Medien nie erwähnen. Mit ihm erleben wir auch einen Durchhaltewillen, der den häufig gebrauchten Begriff Resilienz nur schal und abstrakt wirken lässt.
Sharabi war einst Manager im Kibbuz Beʼeri, Lehrer und erfolgreicher Ökonom. Ab dem Morgen des 7. Oktober gibt es diesen Mann nicht mehr. Es gibt nur noch Eli, den Überlebenden, den Menschen, der Tag und Nacht nicht mehr unterscheiden konnte, der an Folter und Schmerzen, Einsamkeit und Hunger litt und der nie aufgab, auch um seiner Frau und seiner beiden Töchter willen, die er in Sicherheit glaubte, weil sie nicht mit ihm entführt wurden und vor allem, weil sie britische Pässe besaßen.
Das kleine Haus in Beʼeri ist noch mit Luftballons geschmückt, seine Töchter Noiya und Yahel hatten beide im Oktober Geburtstag. Das Fenster im Treppenhaus klirrt. Die Terroristen befehlen ihm, die Pässe zu holen, und seiner Frau Lianne, sich anzuziehen. Sie steht vor........