Gitarre mit Geschichte

26. Februar 2026 – 9. Adar 5786

AboAngebote PrintAbo-Service

AboAngebote PrintAbo-Service

Gitarre mit Geschichte

Ein 1943 von Hanuš Smetana in Theresienstadt gebautes Musikinstrument erzählt vom Alltag im Ghetto und erinnert an seinen Erbauer, der die Schoa nicht überlebte

Die Gitarre heißt Hans. Und dass sie sich trotz alledem so gut gehalten hat, hat auch mit ihrem Erbauer zu tun, der sie kräftig »mit Hippermann-saurem Kali« einbeizte – und der ebenfalls Hans hieß. Hans, der Erbauer, hatte das »Kali« eigentlich für sich selbst vorgesehen, gegen mögliches Halskratzen, zum »Gurgeln«. Jetzt aber ist »alles Kali … verbraucht«, und die Politur steht an: mit »Franzbranntwein« und einem »Schellackersatz«.

Die Gitarre zeigt sich aufrecht stehend auf einem tischhohen, weißen Quader. Unten am Korpus gehalten von einem kleinen metallenen Ständer und geschützt unter einer Glashaube ist sie in der Mitte des weiträumigen Ausstellungsraums in der ersten Etage des Jüdischen Museums München (JMM) zu sehen. Einige ihrer Saiten hängen lose. Das Instrument ist eines der Exponate der sich über zwei Stockwerke erstreckenden, ebenso vielschichtigen wie aufregenden Ausstellung Die Dritte Generation – Der Holocaust im familiären Gedächtnis.

Zusammenarbeit des Jüdischen Museums Wien mit dem Jüdischen Museum München

Die Schau ist in Zusammenarbeit des Jüdischen Museums Wien mit dem Jüdischen Museum München entstanden. Nachdem sie zunächst in Österreich zu sehen war, wird sie noch bis zum 1. März in der bayerischen Hauptstadt gezeigt. Für das dortige Museum wurde sie von Ulrike Heikaus und Yuval Schneider, Kuratorinnen des Hauses, um Exponate mit Bezug zu München sowie Arbeiten von lokalen Künstlerinnen und Künstlern erweitert. Hans, die Gitarre, wurde dafür aus dem Depot geholt.

Yuval Schneider ist seit zwei Jahren wissenschaftliche Volontärin am JMM. In dieser Zeit, so erzählt sie, sei immer wieder von einer Gitarre die Rede gewesen. Das Instrument war 2015 als Schenkung ins Haus gekommen. Man wusste, dass es aus dem KZ Theresienstadt stammte, von dort durch die Überlebende Franziska Schneidhuber, geborene Wassermann, nach München gebracht worden war und nach deren Tod dem Jüdischen Museum geschenkt wurde. Man habe damals, so erzählt Ulrike Heikaus, erst einmal »nur grob« über die Hintergründe recherchiert.

Es vergingen Jahre. Dann standen erste Planungen zur Ausstellung Die Dritte Generation an. Man stellte Überlegungen an, welche Objekte aus der eigenen Sammlung als Exponate infrage kommen könnten, und Lilian Harlander-Pilcher, die Sammlungsleiterin des JMM, brachte die Gitarre ins Gespräch. »Das Instrument wurde wieder nach vorn geholt, und wir erkannten auf einmal, welchen Schatz wir da hatten«, so........

© Juedische Allgemeine