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Faktisch falsche Prämissen

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08.04.2021

Schon wieder gab es eine Deklaration mit den üblichen und überschaubaren Unterschriften. Dieses Mal geht es gegen die international anerkannte und im Kampf gegen Judenhass praktisch gut zu benutzende Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), die mittlerweile von vielen EU-Ländern zugrunde gelegt wird. Erst im Januar hatte die Europäische Kommission ein Handbuch dazu vorgelegt.

Die »neue Antisemitismusdefinition« geriert sich nun unter dem schon oft strapazierten Namen »Jerusalem Declaration« als Alternative zur IHRA-Definition – und lässt dabei die Forschung zum Judenhass der vergangenen 60 Jahre außen vor. Die Unterzeichner, viele von ihnen ohne einschlägige Expertise, erheben den Anspruch auf eine Antisemitismusdefinition, die besser und präziser sein, die »die Meinungsfreiheit nicht einschränken soll«. Als ob die IHRA dies je getan hätte.

FEHLEINSCHÄTZUNG Doch diese »Erklärung« bietet – wissenschaftlich betrachtet – in Bezug auf die Erklärung von Judenhass nichts Neues, Erhellendes oder Präzisierendes. Ganz im Gegenteil: Sie basiert auf faktisch falschen Prämissen.

Sie ist erstens zu eng, denn sie setzt Judenhass mit Rassismus gleich. Die konturiert rassistische Variante der NS-Zeit findet sich heute noch bei Rechtsextremisten und Neonazis, nicht jedoch im linken, muslimischen und Mitte-Antisemitismus. So erfasst diese »Definition« nicht die Vielfalt der Ausdrucksformen von Antisemitismus im 20. und 21. Jahrhundert.

Zweitens blendet sie die lange kulturhistorische Tradition der Judenfeindschaft aus, ein Phänomen, das stets aus der gebildeten Mitte kam, bevor es die Ränder erreichte, und nivelliert dessen kollektive Verankerung als unikales Ressentiment: Antisemitismus lässt sich nicht einfach als ein Vorurteil unter anderen........

© Juedische Allgemeine


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