»Wir stehen an eurer Seite« |
Als er am 4. Januar vor dem Kabinett sprach, wählte Israels Premier Benjamin Netanjahu Worte, die weit über Jerusalem hinaus Beachtung finden sollten. Er sprach über die Unruhen im Iran. »Israel steht solidarisch an der Seite des iranischen Volkes und seinem Streben nach Freiheit und Gerechtigkeit«, erklärte er. Möglicherweise werde man Zeuge eines historischen Moments, »in dem das iranische Volk sein Schicksal selbst in die Hand nimmt«.
Hinter diesen Sätzen stand eine offensichtlich sorgfältig überlegte Botschaft: moralische Unterstützung für die iranische Bevölkerung – jedoch ohne den Ruf nach einer Intervention von außen. Diese vorsichtige Position spiegelt Israels derzeitige Lage wider. Die Proteste im Iran schwächen einen erklärten Erzfeind, bergen zugleich aber Risiken einer Eskalation, die in der hochsensiblen Region schnell außer Kontrolle geraten könnte. Zudem soll Teheran kein Vorwand geliefert werden, die Proteste als »ausländische Verschwörung« zu diskreditieren.
Die Auslöser der aktuellen Proteste sind im Land selbst zu finden. So begannen am 28. Dezember 2025 Händler und Kaufleute, im Großen Basar von Teheran gegen den rapiden Wertverfall der iranischen Währung, des Rial, zu demonstrieren. Denn die Inflation liegt bei über 40 Prozent, weshalb die Lebensmittelpreise explodieren. Innerhalb weniger Tage schlossen sich Studenten, Arbeiter und die Bewohner von Städten wie Isfahan und Maschhad an. Aus einem wirtschaftlichen Protest wurde ganz offene Systemkritik.
Inzwischen hat sich das alles zu den größten landesweiten Protesten........