»Den Menschen und dem Leben zugewandt« |
Ich bin ein pathologischer Wiederholungstäter. Denn: Es ist heute schon das vierte Mal, dass ich eine Laudatio auf Salomon Korn halte.
Das erste Mal an seinem 60. Geburtstag, dann an seinem 70. Geburtstag, dann vor wenigen Monaten, als er das Ehrensiegel der Jüdischen Gemeinde bekam.
Und heute nun also zum vierten Mal. So ganz allmählich rede ich mich warm dazu. Und ich freue mich schon jetzt auf das fünfte Mal. Nun, wer zu vierten Mal zum selben Thema spricht, muss sich als erstes auch wiederholen. Das ist sozusagen ein Naturgesetz.
Aber moralische Bedenken, schlechtes Gewissen oder Skrupel hätte ich dabei auch nicht. Denn sogar die fanatischen Plagiatsjäger von heute würden wohl einräumen müssen: Bei sich selbst darf man ja doch wohl abschreiben und hemmungslos klauen ohne Ende. Ein Selbst-Plagiat kann nicht verwerflich sein. Und dass Salomon Korn diese hohe Auszeichnung mehr als verdient, ist natürlich gar keine Frage. Die Zahlen alleine sprechen und leben schon für sich. Und singen eine besondere Melodie.
Sagenhafte 38 Jahre im Vorstand der Jüdischen Gemeinde und 24 Jahre Vorstandsvorsitzender. Diese Marke wird lange, lange stehen. Unsere beiden jungen Vorsitzenden von heute werden es sehr, sehr schwer haben sie zu erreichen. Salomon Korn war über Jahrzehnte das Gesicht unserer Gemeinde. Und wir alle konnten uns auch mit ihm schmücken.
Unsere Gemeinde hat er immer repräsentiert mit Würde und mit Überzeugungskraft. Mit Klugheit, ja Weisheit – sozusagen sogar salomonischer Weisheit -und einer gelassenen Souveränität, die ich immer so bewundert habe.
Niemals autoritär, aber stets mit sehr großer persönlicher Autorität. Was hat er nicht alles erreicht. Gewiss, das Gemeindezentrum im Westend ist sein Opus Magnum als Architekt. Eine architektonische Meisterleistung, in die er sehr bedacht und feinfühlig viele ganz besondere Symbole einfließen ließ, die für das Judentum, aber auch für die Brüche der Schoa stehen.
Aber als Vorstand hat er dieses Zentrum dann doch erst mit Leben und Zweck und Sinn gefüllt. Und auch zu einem Stück Heimat für so viele Menschen gemacht. Und ich bin ja als Präsident des Zentralrats viel herumgekommen und habe alle jüdischen Zentren in Deutschland besucht. Alle sind sie gewiss wunderschön und funkeln und glänzen – aber unseres hier in Frankfurt am Main ist noch immer das aller-, allerschönste im ganzen Land überhaupt!
Salomon Korn ist aber auch in ganz Deutschland hochgeachtet und respektiert. Was er sagte und tat und vor allem schrieb, wurde im ganzen Land beachtet. Und das seit Jahrzehnten. Zu Recht gilt er bis heute als einer der klügsten Köpfe des Landes. Ein geistreicher Denker, ein sensibler........