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»Bis 50 sollt ihr zählen«

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08.04.2021

Mitten zwischen den spät am Sederabend fröhlich geschmetterten Liedern »Adir Hu« und »Echad Mi Jodea« weist uns die Haggada darauf hin: »Am zweiten Sederabend fängt das Omerzählen an.« Dann folgen der Segensspruch sowie der kurze Satz: »Heute ist der erste Tag im Omer.« Das wird schnell dahingemurmelt und bleibt ein bisschen rätselhaft.

Vielen begegnet der Ausdruck »Omer« erst wieder im Zusammenhang mit dem Lagerfeuer an Lag BaOmer. Dabei lenkt dieses Detail der Zählung unseren Blick mitten in der Hochstimmung von Pessach schon auf Schawuot – beide Feste sind durch einen Zahlenstrahl miteinander verbunden.

Das Omer war ein Hohlmaß von ungefähr drei Litern und bezeichnete die Menge der Gerste, die als Erstlingsfrucht mit Beginn des Pessachfestes im Tempel dargebracht wurde. Von da an boten die Kohanim als Erntedank täglich, sieben Wochen lang, ein Omer Gerste in einer schwingenden Bewegung dar – bis es am 50. Tag von der Darbringung der Erstlinge des Weizens abgelöst wurde.

SCHABBAT In der Tora heißt es: »Ihr sollt von dem Tag an zählen, der dem Schabbat folgt, dem Tag, an dem ihr die geweihte Garbe dargebracht habt. Sieben volle Wochen sollen es sein. Bis zum Tag nach dem siebten Schabbat sollt ihr zählen, 50 Tage« (3. Buch Mose 23, 15–16).

In rabbinischer Auslegung wurde »Schabbat« zu Beginn des Verses nicht als Wochentag verstanden, sondern als der erste Tag des Pessachfestes. Da Schawuot das einzige Fest ist, für das die Tora kein festes Datum angibt, sondern lediglich, dass es 50 Tage nach dem ersten Pessachtag zu begehen sei, war die Zählung wichtig, um überhaupt den Zeitpunkt dieses Feiertags zu bestimmen. Die Bezeichnung als »Wochenfest« verweist auf diese Verbindung.

Selbst als durch die Kalenderberechnung klar war, dass Schawuot jedes Jahr am Abend........

© Juedische Allgemeine


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