„Schriftsteller sind quasi die Putzfrauen des Literaturbetriebs“

30. Juni 2026 – 15. Tamus 5786

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»Schriftsteller sind quasi die Putzfrauen des Literaturbetriebs«

Slata Roschal über den Bachmannpreis, prekäre Lebenssituationen von Autoren und das Schreiben nach dem 7. Oktober 2023

Frau Roschal, nach vier Tagen Bachmannpreis, nach den Diskussionen um Ihren Abgang nach der Lesung: Wie geht es Ihnen?Ich fühle mich so, als hätte irgendwer eine Woche lang auf mich eingeschlagen, und jetzt habe ich den ersten Tag endlich Ruhe. Mir war natürlich bewusst, dass ich, wenn ich rausgehe, also selbst diese Kleinigkeit, ich keinen Preis bekommen werde. Das war eindeutig. Aber ich habe nicht mit der Reaktion der Presse gerechnet, die meiner Meinung nach ziemlich seltsam ausgefallen ist. Ein bisschen war sie auch unter der Gürtellinie. Und das ist sehr unangenehm.

Warum dachten Sie, dass es nichts wird? Es sollte ja der Text bewertet werden.In der normalen Welt würde man sich das fragen. Aber wir sind im Literaturbetrieb, und es war für mich und für alle um mich herum ziemlich klar , dass jemand, der versucht, zu protestieren oder eine Sache infrage zu stellen, nichts bekommen wird. Aber es ist okay. So habe ich ein wenig Werbung für mein Buch gemacht. Ich denke einfach, dass es in Klagenfurt sowieso nicht um Texte geht. Egal, wie man sich bemüht, das Gegenteil zu beweisen. Es geht darum, wie Autoren lesen, wie sie aussehen, wofür sie biografisch stehen. Es geht um Themen, aber nicht um richtige Textanalyse. Aber das weiß man ja irgendwie auch schon vorher, sonst würde man das Ganze nicht von allen Seiten filmen und mit Social Media, Interviews und so weiter begleiten.

Hatten Sie denn befürchtet, dass Ihr Text dem Wettbewerb nicht standhält?Ich dachte, dass es eine gute Idee wäre, die sozialen Probleme, die im Literaturbetrieb ja noch einmal verschärft werden, reinzubringen. Es gab Presseartikel, die mir vorwarfen, elitär zu sein. Wenn Menschen sagen, dass sie Geld brauchen, um ihre Arbeit zu machen, ist das ja wohl das Gegenteil von elitär. Leute, die einen vermögenden Hintergrund haben, eine gute Herkunft, die interessieren sich für so etwas nicht. Wenn man den Literaturbetrieb kritisiert, bedeutet es nicht, dass man soziale Klassen gegeneinander ausspielt, dass man unbedingt bereit sein muss, zum Beispiel selbst als Putzfrau zu arbeiten und parallel Bücher zu schreiben, was sowieso körperlich, zeitlich kaum machbar ist. Von einem Moderator bei 3sat verlangt niemand, sein Einkommen zu rechtfertigen. Von Autoren wird komischerweise alles verlangt. Das sind so diese kleinen, feinen Nuancen, die am Ende große Unterschiede ausmachen.

Wie haben Sie sich beim Bachmannwettbewerb gefühlt?Ich habe oft das Gefühl, dass ich bei solchen Veranstaltungen eigentlich nicht dabei sein sollte. Ich bin überhaupt nicht die Zielgruppe. Ich komme mir fremd vor und versuche trotzdem instinktiv Sachen zu machen, die mir als richtig erscheinen. Ich hatte auch kein großes Konzept........

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