Die ersten neuen Gelben Tonnen sind schon ausgeliefert.

© Quelle: Tobias Wölki

Die ersten Gelben Tonnen sind ausgeliefert – ab Januar lösen sie die Gelben Säcke ab. Doch der Streit darüber bleibt, und die Meinung der HAZ-Leserinnen und -Leser ist eindeutig.

Hannover. Sie sollen die alten Gelben Säcke ablösen: Die ersten Gelben Tonnen sind in der Stadt angekommen. Die Umstellung war von Anfang an umstritten – und sorgt bei HAZ-Leserinnen und HAZ-Lesern weiterhin für Diskussionen.

In der Diskussion um die Gelbe Tonne sind meines Erachtens weitere Aspekte noch nicht betrachtet worden. Erstens steht ein Großteil der Tonnen künftig im öffentlichen Raum. Dadurch wird es für Fremde erleichtert, dort ihren Müll zu entsorgen, so wie ich es seit Jahren bei unserer Biotonne erlebe, aus der ich regelmäßig zum Beispiel Pizzakartons, Getränkebecher und sonstigen Müll rausfischen darf.

Dies wird künftig in den Gelben Tonnen zum Problem werden. Zur Rechenschaft gezogen werden dann aber die Hauseigentümer und -bewohner wegen „Falscheinwurfs“.

Ich habe gelesen, dass nach Angaben von Aha durch die Nichtnutzung der Gelben Säcke etwa 700 Tonnen Plastikmüll entfallen wird. Das ist meines Erachtens eine Milchmädchen-Rechnung, weil der Bürger künftig seinen Verpackungsmüll auch irgendwo im Haus oder der Wohnung sammeln muss, bevor er ihn in die Gelbe Tonne bringt – das wird in aller Regel in einem Müllsack sein.

Jeder weiß, dass im Gelben Sack auch etwa Verpackungen von Fisch oder Joghurt landen, und der Sack meist so verschmutzt ist, dass er nicht mehrfach verwendet werden kann. Daher werden diese Müllsäcke voraussichtlich künftig mit entsorgt, eine Ersparnis an Plastik wird kaum zu verzeichnen sein – mit dem Unterschied, dass der Müllsack jetzt vom Bürger selbst bezahlt werden muss.

Sollte der Verbraucher jedoch seinen Verpackungsmüll ohne Müllsack in die Gelbe Tonne entsorgen, dann kann man sich lebhaft vorstellen, wie diese nach einiger Zeit riechen wird. Das bedeutet, dass die Tonnen voraussichtlich mehrmals im Jahr ausgewaschen werden müssen, um den Geruch einigermaßen erträglich zu halten. Hierdurch wird eine Menge Wasser verbraucht, was auch nicht im Sinne der Umwelt sein kann.

Verfolgt man das sture, kompromisslose Verhalten von Aha, das uns mit seiner Gelben Tonne in die Knie zwingen will und sich auf der juristisch sicheren Seite wähnen,, kann ich den Widerspruch von Haus und Grund nur unterstützen – getreu dem Spontispruch „ Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“. Dann sollten wir als steuerzahlende Normalos doch mal revoltieren. Regionspräsident Steffen Krach ,bei jeder Gelegenheit mit Ton und Bild präsent , hatte sich ja auch zuletzt schon um eine Stellungnahme zu den versenkten Millionen um das Altholz gedrückt.

Die Diskussion um die Anschaffung begann mit dem Argument: Es sei den Mitarbeitenden am Fahrzeug unzumutbar und gesundheitlich nicht förderlich, schwere Säcke in die Fahrzeuge zu heben oder werfen. Erstens: Sind es wirklich „schwere Säcke“? Wenn Umverpackung schwer wäre, würde der Handel sie nicht einsetzen. Zweitens: Wenn bereits an einem Tag, nämlich bei der bevorstehenden 14-tägigen Abholung, die Gelben Säcke das Stadtbild stören (Sie haben oft genug darüber berichtet), wie stören dann erst Container oder Tonnen? Die schmalen Gehwege werden zugestellt, behindern Seh- und Geh-Eingeschränkte sowie Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrende – und das täglich.

Drittens: Beobachtung zu Beginn der Diskussion: Ein Mann fing oben in der Sackgasse an und trug alle (!) Säcke zum Gassenbeginn, wo sie in den Müllwagen geschmissen wurden. Seit es nur noch eine 14-tägige Abholung gibt, hat sich das Verhalten geändert – oder hat der Betriebsschutz reagiert und seine Mitarbeiter auf ihr Fehlverhalten hingewiesen? Fazit: Als Seniorin finde ich die Gelben Säcke nicht schwer, sie sind halt nur sperrig. Und da kann man eben keine drei bis vier Stück wegen Personalmangels auf einmal tragen!?

Aha verbreitet in Sachen Gelbe Tonne Unwahrheiten und versucht mit Taschenspielertricks, unzulässigen Zwang auf Grundstücksbesitzer auszuüben. Ich habe den Infobrief von Aha „Die Gelbe Tonne kommt!“ wie vermutlich alle Hauseigentümer im Heideviertel am 18. Oktober erhalten. Merkwürdigerweise trägt dieses Schreiben das Datum vom 16. September, und die Rückantwortfrist zur Abweisung der Tonne ist auf den 10.Oktober gesetzt.

Ich habe daher umgehend per Mail an Aha meine Ablehnung der Tonne gemeldet und prompt per Rückmail die Antwort erhalten, dass diese Ablehnung nicht mehr berücksichtigt werden könne, weil die Rückmeldefrist nicht eingehalten sei. Ich soll also eine Frist einhalten, die schon vor dem Eingang des Infobriefes verstrichen war. Das schlägt der Tonne buchstäblich den Boden aus.

Da stellt sich die Frage, wer in Hannover dem rechtswidrigen Tun des Aha-Verbandsgeschäftsführers Einhalt gebietet: die Region? Herr Kracht? Ich fühle mich jedenfalls von Aha rechtlich genötigt und übernehme keinerlei Verantwortung für Tonnen auf Gehsteigen, die dort gegen meinen ausdrücklichen Willen abgestellt wurden.

Die Kontroverse um die richtige Verteilung der Gelben Tonnen in Hannover wird nichtig angesichts des neuesten Plastikberichts von Greenpeace, wonach in den USA lediglich 5 Prozent des anfallenden Plastikmülls tatsächlich recycled werden, während der gigantische Rest auf Dauer die Umwelt belastet. Es gibt sieben Sorten von Plastik, aber nur die beiden ersten Kategorien (Polyethylenterephthalat, PET, und Polyethylen hoher Dichte, HDPE) sind recyclebar, die anderen Plastiksorten (darunter Kaffeebecher oder Kinderspielzeug) gelten nach der Klassifizierung der Federal Trade Commission als nicht wiederverwertbar.

Selbst wenn jeder Haushalt jedes einzelne Stück Plastik separat sammeln und zu den Wertstoffhöfen bringen würde, könnte dieses mühsam zusammengetragene Material nicht in den Wiederverwertungskreislauf eingespeist werden.

Nun kann man sagen: Ja, die Amerikaner, das sind eben keine umweltliebenden Menschen, aber wir hier in der Bundesrepublik und besonders in Hannover sammeln getreulich alle anfallenden Plastikverpackungen. Der Greenpeace-Report aber sagt eindeutig: Einen rationalen Grund für das Sammeln von Plastik gibt es nicht, es ist das Vorhandensein von Plastikverpackungen an sich, das sich zu einem unlösbaren Problem ausgewachsen hat.

Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Wir behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen. Bei allen Einsendungen bitten wir um Angabe der vollständigen Absenderadresse. Wollen auch Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann schreiben Sie uns auf diesem Weg.

Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Wir behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen. Bei allen Einsendungen bitten wir um Angabe der vollständigen Absenderadresse. Wollen auch Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann schreiben Sie uns auf diesem Weg.

Irgendwann im September hatte die HAZ über die Einführung der Gelben Tonne berichtet. Danach sollten alle Hauseigentümer im Oktober ein Schreiben von Aha zu diesem Thema bekommen. Ich habe bisher nichts erhalten, lese jetzt aber, dass mit der Auslieferung der Tonnen begonnen wird. Hier werden Fakten geschaffen – und der Bürger steht dem Ganzen machtlos gegenüber.

Aha hat sich seit Jahren angewöhnt, nur seinen Weg zu gehen. Die Kunden sind ja von der Leistung dieses Monopol-Unternehmens abhängig. So ist es mit dem Mülltonnenzwang, und so ist es auch mit der Gelben Tonne. Es gibt nur ein angebliches Dienstleistungsangebot. Ein Dienstleistungsunternehmen ist Aha nicht!

Das ist schon daran zu sehen, dass auf Mails mit Fragen zur Gelben Tonne, mit Anregungen und mit Ablehnungen schlicht umgegangen wird: Es gibt einfach keine Antwort! Die Alternative der Kunden ist nur, den Müll selbst zu transportieren – fragt sich nur: wohin? Wieder in die Wälder?

Leider greift hier genauso wenig die Politik ein, wie bei der Fehlhandlung beim Müllverkauf, der 2 Millionen Euro gekostet hat – ohne Folgen für die Unternehmensleitung, aber mit der Androhung von Gebührenerhöhungen für die Kunden. Wo sind die Lokalpolitiker, die hier die Reißleine ziehen, bevor die Gelben Tonnen vor den Fußgängern, Radfahrern, Rollstuhlfahrern, sehbehinderten Menschen liegen?

Von HAZ

QOSHE - Kostenpflichtig Wie soll das funktionieren? HAZ-Leserinnen und -Leser diskutieren über die Gelben Tonnen in Hannover - Markus Decker
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Kostenpflichtig Wie soll das funktionieren? HAZ-Leserinnen und -Leser diskutieren über die Gelben Tonnen in Hannover

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04.11.2022

Die ersten neuen Gelben Tonnen sind schon ausgeliefert.

© Quelle: Tobias Wölki

Die ersten Gelben Tonnen sind ausgeliefert – ab Januar lösen sie die Gelben Säcke ab. Doch der Streit darüber bleibt, und die Meinung der HAZ-Leserinnen und -Leser ist eindeutig.

Hannover. Sie sollen die alten Gelben Säcke ablösen: Die ersten Gelben Tonnen sind in der Stadt angekommen. Die Umstellung war von Anfang an umstritten – und sorgt bei HAZ-Leserinnen und HAZ-Lesern weiterhin für Diskussionen.

In der Diskussion um die Gelbe Tonne sind meines Erachtens weitere Aspekte noch nicht betrachtet worden. Erstens steht ein Großteil der Tonnen künftig im öffentlichen Raum. Dadurch wird es für Fremde erleichtert, dort ihren Müll zu entsorgen, so wie ich es seit Jahren bei unserer Biotonne erlebe, aus der ich regelmäßig zum Beispiel Pizzakartons, Getränkebecher und sonstigen Müll rausfischen darf.

Dies wird künftig in den Gelben Tonnen zum Problem werden. Zur Rechenschaft gezogen werden dann aber die Hauseigentümer und -bewohner wegen „Falscheinwurfs“.

Ich habe gelesen, dass nach Angaben von Aha durch die Nichtnutzung der Gelben Säcke etwa 700 Tonnen Plastikmüll entfallen wird. Das ist meines Erachtens eine Milchmädchen-Rechnung, weil der Bürger künftig seinen Verpackungsmüll auch irgendwo im Haus oder der Wohnung sammeln muss, bevor er ihn in die Gelbe Tonne bringt – das wird in aller Regel in einem Müllsack sein.

Jeder weiß, dass im Gelben Sack auch etwa Verpackungen von Fisch oder Joghurt landen, und der Sack meist so verschmutzt ist, dass er nicht mehrfach verwendet werden kann. Daher werden diese Müllsäcke voraussichtlich künftig mit entsorgt, eine Ersparnis an Plastik wird kaum zu verzeichnen sein – mit dem Unterschied, dass der Müllsack jetzt vom Bürger selbst bezahlt werden muss.

Sollte der Verbraucher jedoch seinen Verpackungsmüll ohne Müllsack in die Gelbe Tonne entsorgen, dann kann man sich lebhaft vorstellen, wie diese nach einiger Zeit riechen wird. Das bedeutet, dass die Tonnen voraussichtlich mehrmals im Jahr ausgewaschen........

© HAZ


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