Interview mit einem Getriebenen

Liebe Leserinnen und Leser,

deutsche Medien stehen nicht unbedingt ganz oben auf der Prioritätenliste von Eric Trump, einem der Söhne des US-Präsidenten.

Mein Kollege Laurin Meyer, der aus New York für das Handelsblatt berichtet, spürte das gleich zu Beginn seines Interviews mit ihm: Freundlich, aber bestimmt, fragte Trump seine Assistentin mehrfach nach seinen Anschlussterminen.

Zeit ist Geld, besonders für den operativen Leiter des Milliardengeschäfts der Trump-Familie.

Andererseits hat der 42-Jährige einen großen Mitteilungsdrang, weshalb er im vergangenen Jahr auch ein Buch geschrieben hat („Unter Belagerung: Der Kampf meiner Familie um die Rettung unserer Nation“), das bald auch auf Deutsch erscheinen wird.

Und so nahm sich Trump im Büro der Trump Organization in Palm Beach Gardens in Florida dann doch fast eine Stunde lang Zeit für das Handelsblatt.

Er hatte überraschend viele Botschaften an die Deutschen. Er warnte davor, dass China die deutsche Autoindustrie zerstören könnte. Auch kritisiert er – kaum überraschend – die deutsche Energie- und Migrationspolitik. Und die hohen Steuern, die der deutsche Staat erhebe.

Trump habe sich als guter Ratgeber für Europa inszeniert, erzählte Laurin nach dem Interview. Er habe mehrfach betont, wie sehr er den Kontinent schätze. An einer Stelle sei er sogar sehr persönlich geworden.

Seine verstorbene Mutter, Ivana Trump, ist in Tschechien geboren. Als Kind sei er häufig dort gewesen, erzählte Trump. Großmutter Babi, die bei der Familie in den USA lebt, sei inzwischen 99 Jahre alt. Regelmäßig erzähle sie von ihren Erlebnissen aus dem Zweiten Weltkrieg oder der späteren sowjetischen Kontrolle.

Doch am Mittwochmittag kam auch die verbitterte Seite des Präsidentensohns zum Vorschein. Seine Familie sei politisch verfolgt worden, seine Gegner hätten........

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