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Die Pflicht zum Zweifel

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07.03.2026

Liebe Leserinnen und Leser,

das Verhältnis zwischen Krieg und Wahrheit ist bekanntermaßen angespannt. Für Redaktionen bedeutet das: Informationen müssen besonders sorgfältig geprüft werden, gerade wenn sie in dynamischen Konfliktsituationen auftauchen.

Ein Beispiel dafür bot der Dienstagabend. Erste Berichte behaupteten, israelische Streitkräfte hätten das Gebäude des Nationalen Sicherheitsrates in Teheran zerstört.

Ein Beispiel dafür bot der Dienstagabend. Erste Berichte behaupteten, israelische Streitkräfte hätten das Gebäude des Nationalen Sicherheitsrates in Teheran zerstört.

Mehrere Mitglieder des 88-köpfigen iranischen Expertenrates seien dabei getötet worden. Zudem wurde gemeldet, Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten obersten Führers des Iran, Ali Chamenei, sei bereits zu dessen Nachfolger bestimmt worden.

Solche Meldungen erzeugen erheblichen Druck in Redaktionen. Wenn sie zutreffen, haben sie große politische Bedeutung und müssen an die Öffentlichkeit. Stimmen müssen sie allerdings auch.

Die Ausgangsquelle war eine Meldung auf der Plattform X, die dem israelischen Geheimdienst Mossad zugeschrieben wurde. Auffällig war jedoch, dass internationale Leitmedien wie die „New York Times“ diese Information zunächst nicht übernahmen.

Entscheidend war schließlich die Einschätzung unserer Nahost-Korrespondentin Inga Rogg, die von Istanbul aus berichtet. Sie riet zu Zurückhaltung und überprüfte die Angaben mit ihren Kontakten, darunter Quellen mit Nähe zum iranischen Expertenrat.


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