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Europas Selbstermächtigung kann gerade jetzt gelingen – mit den richtigen Verbündeten

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25.01.2026

Es ist nicht einfach nach dieser an Skurrilitäten reichhaltigen Woche, sich mit professioneller Ernsthaftigkeit wieder dem Wesentlichen zu widmen, etwa dem Krieg in der Ukraine. Die Davos-Tumulte um den US-Präsidenten erlauben allerdings auch Rückschlüsse auf das weitere europäische Krisenmanagement.

Donald Trump machte sich auf nach Europa, jenem alten Kontinent, den er für träge und fragil hält, und testete einfach mal, wie viel Unverschämtheit die „Schwächlinge“ sich gefallen lassen, derweil Russlands Präsident Wladimir Putin unter dem Radar der Weltöffentlichkeit in der Ukraine Fakten schafft.

Warum es also nicht mal mit einer Landnahme im hohen Norden versuchen, dachte sich der US-Präsident, der die Europäer schon häufiger mit seinem transaktionalen Politikansatz sichtlich überfordert hatte.

Ähnlich grotesk ist sein neuer „Friedensrat“, in dem er selbst den Vorsitz innehat – auf Lebenszeit, versteht sich. Die Uno passt ihm nicht, warum nicht gleich eine neue gründen? Ausgerechnet Trump, der gerade in einem Brief an die norwegische Regierung geschrieben hat, dass er sich dem Frieden jetzt nicht mehr verpflichtet fühle, weil ihm der Nobelpreis vorenthalten wurde. Trump allein hätte dann das Vetorecht über Krieg und Frieden, nicht fünf Nationen wie im UN-Sicherheitsrat. Und natürlich lässt er sich mit einer Milliarde Dollar pro Land nach drei Jahren Mitgliedschaft entlohnen.

Putin, der die Beitrittsgebühr aus eingefrorenem Staatsvermögen finanzieren will, ist selbstverständlich dabei. Und Länder wie Belarus, Kasachstan, Aserbaidschan, Saudi-Arabien und Ägypten ebenso: alles Staaten, die nicht für ihre demokratischen Tugenden bekannt........

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