Kein Notenbanker wird sehenden Auges den Ruin seines Staates zulassen

Wir erleben es täglich: Politiker sprechen von entschlossenem Handeln, doch umgesetzt wird nur wenig. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für Länder wie Frankreich oder die USA. Die Gründe liegen nicht allein in persönlichen Unfähigkeiten.

Vielmehr offenbart sich hier ein Grunddilemma der Demokratie: Wenn viele erst zustimmen müssen und politische Kräfte sich im ständigen Machtkampf erschöpfen, läuft im Zweifel alles weiter wie bisher. Hinzu kommen Rahmenbedingungen, die kein Staat allein ändern kann, etwa Verschiebungen im Welthandel oder der Aufstieg aggressiver Droh- und Kriegspolitik.

Die Folge: Staatliche Ausgaben geraten außer Kontrolle, um Besitzstände wenigstens nominell zu sichern. Rentner wollen nicht auf Geld verzichten, Versicherte teure Medizin in Anspruch nehmen, ohne mehr zu zahlen, und Steuererhöhungen gelten meist als Wahlverlust-Risiko. Am Ende bleibt daher oft nur der Umweg über höhere Staatsverschuldung.

Das kann, wie das Beispiel Japan zeigt, ein langer Weg sein – aber er ist nicht unbegrenzt. Selbst in den USA, die über ihren Kapitalmarkt weltweit Kapital anziehen können, warnen immer mehr Stimmen davor, dass Schulden keine Dauerlösung sind.

Der einzige Ausweg aus dieser Lage besteht darin, wenigstens real Veränderungen herbeizuführen, wenn sie sich nominal nicht durchsetzen lassen. Das Schlüsselwort lautet „Inflation“.

Gemeint sind dabei nicht sprunghafte Preisschübe wie während der Coronazeit, die vor allem von der........

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