Die Rüstungsindustrie ist nicht die Zukunft der deutschen Wirtschaft
Die Rüstungsindustrie ist nicht die Zukunft der deutschen Wirtschaft
Stand: 27.04.2026, 05:54 Uhr
Von: Steffen Herrmann
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Die Rüstungsindustrie boomt seit dem Ukraine-Krieg. Doch sie kann die Arbeitsplätze in anderen Branchen nicht ersetzen. Zukunft entsteht woanders.
Vor wenigen Jahren waren die meisten deutschen Rüstungsunternehmen in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Den Firmen war das ganz recht. Zu viel Aufmerksamkeit schadete dem Geschäft: In die Schlagzeilen kam man höchstens mit kleinen und größeren Skandalen. Danke, nein.
Einen Andrang von Bewerberinnen und Bewerbern in den Chefetagen und Personalbüros gab es damals nicht: In der Branche war wenig Bewegung. Wer gut ausgebildet war, konnte zu jener Zeit Arbeitgeber finden, über deren Produkte man beim Abendessen mit Freunden dann doch lieber sprach als beispielsweise über Panzer oder Flugabwehrraketen.
Heute ist das anders. Mächtige Manager wie zum Beispiel Rheinmetall-Chef Armin Papperger werden von Politik und Medien umworben, ihre Unternehmen eilen von Rekordmeldung zu Rekordmeldung. Mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Investitionen, mehr Personal.
Wegen des Ukraine-Kriegs: Die Menschen in Deutschland verlieren ihre Scheu vor der Rüstungsbranche
Auch in der Bevölkerung haben viele Menschen ihre Scheu vor der Rüstungsbranche und ihren potenziell todbringenden Produkten verloren. Rheinmetall als Werbepartner des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund? Die Aufregung legt sich schnell. Man richtet sich ein in der allgemeinen Aufrüstung.
Schatten aus Stahl an der Front: Panzer gestern, heute und morgen
Auslöser ist natürlich der Angriff von Wladimir Putins Russland auf die Ukraine. Er hat gezeigt, dass Russland unter diesem Herrscher eine Bedrohung ist – zuallererst für die direkte Nachbarschaft, mittelbar aber auch für Staaten wie Deutschland. Die Bundesrepublik hat ihre Bundeswehr über Jahrzehnte auf Verschleiß gefahren. Mitunter fehlte es sogar an ausreichender Munition für die Ausbildung von Wehrdienstleistenden. Die Erkenntnis: Investitionen in die Bundeswehr und ihre Verteidigungsfähigkeit sind sinnvoll, solange sie maßvoll sind und das Geld dorthin fließt, wo es bislang fehlt.
Nicht sinnvoll und angebracht ist die maßlose Begeisterung, mit der manche – allen voran Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius – nach „Kriegstüchtigkeit“ streben. Von dieser Militarisierung profitieren vorwiegend die Rüstungskonzerne, während andere für die deutsche Demokratie sicherheitsrelevante Bereiche wie Bildung, Wohnungs- und Gesundheitspolitik in der sprachlichen und tatsächlichen Aufrüstung untergehen.
Rüstungsindustrie kann schlechten Arbeitsmarkt der Autoindustrie nicht kompensieren
Auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt sind Begeisterungsstürme nicht angebracht. Was in der Auto- und Zuliefererbranche wegbricht, kann die Rüstungsindustrie nicht kompensieren. Für manche Beschäftigte mag der Wechsel in die Halle eines Panzerbauers sinnvoll und ein Segen sein. Für die allermeisten, deren Jobs gerade auf der Kippe stehen, kommen Arbeitgeber in der Rüstungsbranche aber nicht infrage. Weil es dort schlicht zu wenige neue Stellen gibt. Weil diese Stellen nicht dort entstehen, wo das Eigenheim und die Schule der Kinder stehen. Oder weil moralische Bedenken dem Jobwechsel im Wege sind.
Die Politik sollte deshalb keine großen Hoffnungen in die Wirkungen des Rüstungsbooms für den Arbeitsmarkt und die deutsche Wirtschaft setzen. Und ihn schon gar nicht durch allzu viele Milliarden Euro befeuern. Was in den Hallen und Werken der Rüstungsunternehmen produziert wird, mag modern sein. Zukunftstechnik sind Waffen nicht.
An der Zukunft wird anderswo geforscht und geschraubt: Diese Unternehmen brauchen Unterstützung – in Form von Investitionen, aber auch in Form von gut ausgebildeten Arbeitskräften.
