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Aufbruch und offene Fragen bei der Linken

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16.04.2026

Aufbruch und offene Fragen bei der Linken

Stand: 16.04.2026, 19:31 Uhr

Von: Pitt von Bebenburg

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Die Partei wächst und verändert sich rasant. Nun braucht sie eine Führung, die den neuen Kurs trägt und alte Konflikte befriedet.

Keine deutsche Partei wandelt sich so rasant wie die Linke. Die Partei hat ihre Mitgliederzahl innerhalb eines Jahres verdoppelt, inzwischen gehören ihr mehr als 123.000 Menschen an. Die Partei ist wesentlich jünger, weiblicher und migrantischer geworden.

Das ist ein gutes Zeichen für die Linke, aber auch eine echte Herausforderung für die Parteiführung. Sie muss ein Gespür für die neue Parteigeneration entwickeln, ohne die altgedienten Mitglieder zu verprellen.

Die Linke braucht eine solche Führungspersönlichkeit, die an die Stelle des erfolgreichen Parteichefs Jan van Aken tritt: Am Mittwochabend hatte der erfahrene Aktivist und Politikstratege bekanntgegeben, dass er aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder antreten könne. Seine Ko-Vorsitzende Ines Schwerdtner will an der Parteispitze weitermachen.

Der 64-jährige van Aken hinterlässt eine Lücke, denn er ist in der Lage, kämpferische Parolen auf verbindliche Weise zu transportieren, zeigt bei Kernthemen wie Steuergerechtigkeit klare Kante und weiß als Ex-UN-Biowaffeninspekteur, was praktische Friedenspolitik bedeutet.

Gute Chancen auf die Nachfolge kann sich der baden-württembergische Linke Luigi Pantisano ausrechnen. Der 46-jährige Fraktionsvize im Bundestag hat gezeigt, dass er erstaunliche Erfolge erzielen kann – bei der Oberbürgermeisterwahl in Konstanz unterlag er dem CDU-Kontrahenten nur knapp.

Die Linke blickt auf eine lange Tradition der Häutungen zurück. Als PDS war sie eine graue Partei mit starker DDR-Prägung. Dann wurde sie zur Heimat enttäuschter Sozialdemokrat:innen und Grüner. Zuletzt kamen Linke aus Protestbewegungen hinzu, Feministinnen, Antifaschisten. Seit sich der Flügel um Sahra Wagenknecht abgespalten hat, die gegen „woke“ Inhalte wetterte, ist die Linke politisch klarer erkennbar und erlebt einen ungeahnten Aufschwung.

Mit Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek verfügt die Partei zudem über eine bekannte Persönlichkeit, die ihre Positionen so knapp, energisch und angriffslustig auf den Punkt bringt wie sonst niemand. Ihr wird kein neuer Vorstand die Show stehlen. Dessen vordringliche Aufgabe wird es sein, die Partei zusammenzuhalten. Unversöhnlich wird derzeit der Streit über den Nahostkonflikt ausgetragen, einschließlich Antisemitismusvorwürfen. Ob ein Formelkompromiss auf dem Potsdamer Parteitag Frieden stiften kann, ist ungewiss.

Die Voraussetzungen für einen Erfolg stehen trotzdem nicht schlecht. Die Sozialdemokratie lässt viel Platz für Kritik von links. In ostdeutschen Bundesländern wird die Linke perspektivisch gebraucht, um demokratische Mehrheiten gegen die AfD zu ermöglichen. Ihre Mitglieder haben Drive. Das ist die Stärke der Linken – egal, wer an der Spitze steht.


© Frankfurter Rundschau