Der Funken der Wahrheit

Der Funken der Wahrheit

Stand: 27.04.2026, 15:24 Uhr

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Nicht immer werden wir aus Schaden klug. Aber manchmal schon.

Eigentlich ist man da ja schnell geneigt, den Altvorderen recht zu geben. „Es muss immer erst etwas passieren, bevor sich was ändert“, sagten sie, und dagegen ist spontan wenig hervorzubringen. Doch stimmt das tatsächlich? Beispiele für die Wahrhaftigkeit dieser Behauptung gibt es jedenfalls genügend.

So mussten Zigtausende im Straßenverkehr ihr Leben lassen, bevor Gurtpflicht und Promillegrenze eingeführt wurden. Oder beim Arbeitsschutz. Erst als viele Bauarbeiter vom Gerüst gepurzelt waren, erließ man ein Verbot von Bier auf der Baustelle. Solcherlei Fälle lassen sich viele finden. Die alte Weisheit stimmt also häufig.

Problematisch allerdings ist die oft lange Dauer der Entscheidung, denn sie beruht auf Willkür. Schließlich gibt es keine verlässlichen Untersuchungen, wie viele Kinder vor einer Schule totgefahren werden müssen, bevor dort ein Fußgängerüberweg eingerichtet wird. Oder wie viele aufgrund ihrer Fettsucht platzen müssen, bis man endlich eine geharnischte Zuckersteuer erhebt?

Wie löblich pragmatisch dagegen doch der ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der einen der vielen Angriffe seines Landes auf ein anderes mit den Worten „Wir müssen reagieren, bevor etwas passiert“ begründete. Ratzfatz – und alles wird gut. Oder auch nicht.

Beispiel für Letzteres ist der deutsche Ausstieg aus der Atomkraft. Kaum war das Kernkraftwerk im japanischen Fukushima nach einem Erdbeben auseinandergebröselt, wurden die hiesigen Reaktoren schrittweise stillgelegt und zu steinernen Mahnmalen einer jahrzehntelangen, lobbygesteuerten Politik der Unvernunft. Doch da die Zeit bekanntlich alle Wunder heilt, brabbelte man in einschlägigen Kreisen schnell wieder von Wiederinbetriebnahmen oder mittlerweile gar dem Bau vieler putziger kleiner Kraftwerkchen – und somit einer Renaissance der teuersten und gefährlichsten Art der Energiegewinnung.

Aber es geht noch viel größer. Kaum war 1945 das weltweit gesäuselte „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ verklungen, erwies es sich als von vielen mühsam herausgepresste Lüge. Was sich daraus entwickelte, sieht man heute in vielen Ländern und auch im angeblich so schön entnazifizierten Deutschland mit aktuell einer Sympathiequote von bis zu vierzig Prozent für eine rechte Partei.

Schaden macht also offensichtlich selten klug. Diese These steht ganz aktuell mal wieder auf dem Prüfstand. Es ist uns nämlich schon wieder ein Wunder geschehen. Allein die Lufthansa strich bis Oktober 20.000 der schon immer unnötigen Kurzstreckenflüge, die Menschen fahren weniger Auto, die Zahl der verkauften E-Mobile steigt sprunghaft, und sogar ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen wird zumindest in Erwägung gezogen. Was war passiert?

Schuld daran ist keine gute Fee, sondern der selbst ernannte dutzendfache Friedensnobelpreisträger in spe Donald Trump, der nun sogar aus Versehen zum fleischgewordenen Umweltengel avancierte. Seine Iranpolitik verteuerte das Erdöl – und schon war’s geschehen. Da demonstriert man sich jahrzehntelang den Wolf, dann kommt der Donald und macht’s mit links. Doch ist es von Dauer? Schön wär’s. Denn wie meinten schon die Altvorderen? „Wer Stroh im Kopf hat, befürchtet den Funken der Wahrheit.“

KolumneDie Armutsfalle für Pflegende


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