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AfD in Sachsen-Anhalt: Klüngel mit System

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13.02.2026

AfD in Sachsen-Anhalt: Klüngel mit System

Stand: 11.02.2026, 16:48 Uhr

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Die AfD-Selbstbedienung schadet der Demokratie. Der Kommentar.

Die AfD wollte alles anders machen. Anders als die verhassten „Altparteien“. Ihr Anspruch sei es, „gegen eingefahrenen Politikfilz, Mauscheleien, Steuerverschwender und ideologische Scheuklappen“ vorzugehen, sagte der sachsen-anhaltische AfDler Ulrich Siegmund 2016 in einem Interview. Zehn Jahre später träumt er als Spitzenkandidat für die Landtagswahl von einer AfD-Alleinregierung - und täglich dringen neue Fälle von Filz, Klüngel und Selbstbedienungsmentalität an die Öffentlichkeit. Siegmunds Magdeburger AfD-Fraktion tut sich dabei besonders hervor.

Der Spitzenkandidat findet das anscheinend völlig okay. Familienmitgliedern könne man wenigstens trauen, sagt er. Das lässt tief blicken. Die AfD und ihr Vorfeld haben sich zu einer verfestigten Parallelgesellschaft entwickelt, die den Staat als legitime Geldquelle ansieht. Nicht nur Verwandte werden so finanziert, sondern auch ideologische Weggefährtinnen und -gefährten.

Manchmal vermischt sich das auch: Reinhild Boßdorf, Tochter der EU-Abgeordneten Irmhild Boßdorf, ist eine rechtsextreme Aktivistin – und bei einem Fraktionskollegen beschäftigt. Wird hier das rechtsextreme Vorfeld mit EU-Mitteln finanziert oder ein familiärer Gefallen getan?

Die Ehefrau des AfD-Jugendchefs Jean-Pascal Hohm aus Brandenburg steht auf der Gehaltsliste der Potsdamer EU-Parlamentarierin Mary Khan, ihrerseits verheiratet mit dem Bundesvorstandsmitglied Dennis Hohloch. In einer Parallelgesellschaft heiratet man halt untereinander – und wird gut versorgt. Die Ehefrau des Bundestagsabgeordneten Matthias Moosdorf ist bei der AfD-Fraktion als Referentin für Kulturthemen angestellt. Sie ist Pianistin – versteht also etwas vom Thema wie vermutlich wenige in der Rechtspartei. Praktisch (und schamlos) ist es dennoch.

Vor neun Jahren hielt der Thüringer Rechtsextreme Björn Höcke eine Rede in Dresden. Sie sorgte für einen Skandal, weil Höcke eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ forderte. Doch Höckes Rede war vor allem nach innen gerichtet. Er warnte vor den Verlockungen des Parlamentsbetriebs: „Nicht wenige werden sich ganz schnell sehr wohl fühlen bei den Frei-Fressen- und Frei-Saufen-Veranstaltungen der Lobbyisten.“

Neun Jahre später ist die gesamte AfD, auch Höckes Landesverband, zur etablierten Partei im schlechtesten Sinne geworden.

Für die Demokratie ist das keine gute Nachricht - mit der Einschränkung, dass es etwas unwahrscheinlicher wird, dass Sachsen-Anhalts nächster Ministerpräsident Ulrich Siegmund heißt. Doch wenn die AfD jetzt Wählerschaft verschrecken sollte, wird diese nicht nicht zu anderen Parteien wechseln, sondern das System komplett ablehnen. Auf „nur noch AfD“ folgt „alle gleich”. Und die Demokratie hat irreparablen Schaden genommen.


© Frankfurter Rundschau