Von anzüglich bis politisch |
Von anzüglich bis politisch
Stand: 17.02.2026, 15:23 Uhr
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Bei den Olympischen Spielen sorgen Sportlerinnen und Sportler für Kontroversen. Sie nutzen das Großereignis für ganz unterschiedliche Botschaften. Die Kolumne
Über Anstrengung und Ehrgeiz, Gewinnen und Verlieren hinaus verraten die Gesichter Olympias in diesen Tagen sehr viel über die Lebensstile und Erwartungen junger Menschen. Im Mittelpunkt öffentlicher Wahrnehmung stand dabei zunächst die Eisschnelläuferin Jutta Leerdam, die in ihrer niederländischen Heimat als mediageniek (niederländisch für telegen) bezeichnet wird und diese Zuschreibung offensiv auf Kufen setzt. Leerdam hat bereits an einer Kampagne der Modemarke Christian Dior teilgenommen und verknüpft ihre sportlichen Erfolge seither mit der ihr eigenen Auslegung der Bezeichnung Skatefluencerin.
Zu den Olympischen Spielen in Mailand reiste sie mit einem Privatjet an, und ihre äußere Erscheinung legte den Verdacht nahe, dass sie mindestens so viel Zeit in ambitionierten Schminktutorials verbringt wie auf der Trainingsbahn. Nicht wenige dürften Jutta Leerdam eine Rennniederlage gewünscht haben, um die expressive Sportlerin für den ihr unterstellten Hochmut zu strafen. Tatsächlich siegte Leerdam so glamourös wie sie gekommen war.
Intensiv betriebene sportliche Aktivitäten kommen kaum noch ohne den Einsatz von Social Media aus, und es gibt Alternativen zu Jutta Leerdam. Auf dem für erotische Inhalte bekannten Portal Onlyfans wirbt die deutsche Bobfahrerin Lisa Buckwitz für sich und ihren Sport. Mit ihren Followern chattet sie dort nicht nur über Trainingsmethoden, sondern bevorzugt auch über die Beschaffenheit von Unterwäsche und wie es sich darin anfühlt während des Rennens – die anzügliche Seite des Wintersports. Sie achte sehr darauf, sagte Buckwitz unlängst im „Aktuellen Sportstudio“, dass dabei keine Grenzen überschritten werden. Die Bereitschaft, die Vorstellungen von Intimität und den öffentlichen Umgang damit infrage zu stellen, geht bei ihr zweifelsfrei mit an den Start.
Ganz andere Grenzziehungen hat unterdessen die US-amerikanische Skiläuferin Lindsey Vonn herausgefordert, indem sie trotz einer erheblichen Vorverletzung und gegen den Rat von Ärzten einen Start riskierte – und kurz danach schwer stürzte. Seither wird am Beispiel der Vonn über Hybris gesprochen und vielfach mit Genugtuung konstatiert, dass gerade der Sport als Kontrastmittel aufgefasst werden kann, durch das Lebensalter und dessen physische Beschränkungen sichtbar werden.
Olympia – jede Bewegung eine Pose. Oder schon eine Demonstration? Der ukrainische Skeletonathlet Wladyslaw Heraskewytsch wurde kurz vor Beginn seines Wettbewerbs von diesem ausgeschlossen, weil er darauf beharrt hatte, auf seinem Helm in Form kleiner Konterfeis der im russischen Angriffskrieg getöteten Sportlerinnen und Sportler zu gedenken. Eine politische Demonstration, befand das IOC. Verboten. Unter Tränen war IOC-Präsidentin Kirsty Coventry zu erklären bemüht, dass sie alles versucht habe, Wladyslaw Heraskewytsch umzustimmen.
Wenn die Tränen echt waren – was hier nicht bezweifelt werden soll –, dann stehen sie mutmaßlich für das Eingeständnis in ein grandioses Scheitern und die Erkenntnis, dass sehr viel mächtigere Männer hinter ihr stehen, die dabei sind, Russland den Weg zur Rückkehr in die Olympia-Familie zu ebnen. So gesehen ist der Ausschluss Wladyslaw Heraskewytschs der Triumph eines beschämenden Comebacks.