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Nach Orbáns Niederlage: Warum auch Trumps Überwältigungsstrategie scheitern kann

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21.04.2026

Nach Orbáns Niederlage: Warum auch Trumps Überwältigungsstrategie scheitern kann

Stand: 21.04.2026, 14:04 Uhr

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Die Herrschaft durch permanente Überrumpelung galt als unaufhaltsam. Doch Orbáns Wahlniederlage zeigt: Auch Trump könnte so verlieren. Die Kolumne

In einer dieser Talkshows, in denen immer wieder aufs Neue die Weltlage im Allgemeinen und der Zustand des amerikanischen Imperiums im Besonderen verhandelt werden, bemühte die Schriftstellerin Juli Zeh unlängst die Mad-Man-Theorie. Grob verkürzt besagt diese, dass der amerikanische Präsident den wild-verrückten Despoten nur spiele, um im Trubel der von ihm ausgelösten Turbulenzen die Oberhand zu behalten. Hinter jeder noch so irren Wendung lauert demnach eine verborgene Rationalität. Er will nur gewinnen.

Eine derartige Chaosstrategie sei keineswegs neu, hat dazu der Historiker Götz Aly angemerkt. Mit einer Flut von Erlassen und Gesetzen habe der NS-Staat von 1933 an seine Macht stabilisiert – und für sich eingenommen. Der gegenwärtige politische Alltag ließe sich demnach als Tempokratie beschreiben. Überwältigung und das in jeder Hinsicht Rasende als Herrschaftsmethode.

Wer da noch auf der Bearbeitung von Sachfragen und der Hervorbringung plausibler Lösungen setzt, ist raus. Der Niedergang der SPD ließe sich so mit dem Beharren auf überkommenen Politikstilen erklären. Mir war das Prinzip der permanenten Überrumpelung aus künstlerischen Kontexten geläufig. Wenn du den Überblick noch hast, lautete ein prägnanter Satz des Theater- und Filmregisseurs Christoph Schlingensief, fährst du nicht schnell genug.

Der von Juli Zeh bemühte Gedanke ist nicht vollends abwegig, an diesem Abend schien er der Autorin jedoch vor allem dabei zu dienen, schlauer als alle anderen herüberzukommen. Angesichts einer immerzu fehlschlagenden Suche nach politischer Vernunft und daraus hervorgehenden Kompromissen verweist die Mad-Man-Theorie auf die Überlegenheit vorgeblicher Verrücktheit, mit deren Paradoxa allein die Superschlauen umzugehen wissen. Irgendwo wird sie schon stecken, die neueste Version einer übergeordneten Vernunft.

Mich beschlich beim Zuhören das ungute Gefühl einer verhängnisvollen Komplizenschaft, in die man sich immer tiefer verstrickt, je länger man sich gezwungen sieht, dem Machttheater Trumps zuzusehen. Erheiternd sind dabei bestenfalls die ungelenken Bemühen seiner Leute, nicht vom Karussell geschleudert zu werden.

Nach der Wahl in Ungarn scheinen plötzlich Auswege aus der Geisterbahn auf. Recht zuversichtlich hat sich diesbezüglich die amerikanische Politikwissenschaftlern Anne Applebaum in der Zeitschrift „Atlantic“ geäußert. Viktor Orbáns Niederlage räume auf mit der Annahme, dass die sogenannte MAGA-Bewegung unaufhaltsam sei, „sowie mit der Überzeugung – die auch in der Rhetorik des russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Ausdruck kommt –, dass illiberale Parteien irgendwie dazu bestimmt seien, nicht nur zu gewinnen, sondern die Macht für immer zu behalten, weil sie die Unterstützung des ‚echten‘ Volkes genießen.“

So funktioniere die Geschichte aber nicht, konstatiert Applebaum. Irgendwann werde das ,echte‘ Volk seiner Herrscher überdrüssig. „Jüngere Menschen hinterfragen die Orthodoxie. Illiberalismus führt zu Korruption. Und wenn Orbán verlieren kann, dann können auch seine russischen und amerikanischen Bewunderer verlieren.“

Noch ist es nicht so weit, aber die obszönen Gesten simulierter Stärke verfangen nicht mehr. Wer nicht gelernt hat zu verlieren, erfährt es umso schmerzhafter.


© Frankfurter Rundschau