Antworten aus der Geschichte |
Antworten aus der Geschichte
Stand: 28.04.2026, 16:45 Uhr
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Eine Reise zum Herkunftsort weckt nicht nur Wehmut, sondern wirft auch Fragen auf.
Die Entschärfung einer Weltkriegsbombe und die damit verbundene Evakuierung hatten uns unlängst zu einem Kurztrip veranlasst. Eine willkommene Gelegenheit, Freunde in der Nähe meines Geburtsorts zu besuchen. Gemeinsam essen, reden und spazieren gehen. Begebenheiten purzeln, Namen zirkulieren und verweisen auf Entfallenes, als spiele die Erinnerung Mikado mit dem Ich.
Zu spät, du hast dich längst bewegt. So erfasste mich Wehmut, als es mich, erstmals nach fast zehn Jahren, zu meinem einstigen Elternhaus hinzog. Ein trauriger Anblick, bestenfalls hatten die Käufer ein paar Schönheitsreparaturen vornehmen lassen. Wäre das Dach nicht längst fällig gewesen?
Einige Häuser in der Nachbarschaft hatten neue Fassaden bekommen, andere waren zweckmäßigen Neubauten gewichen. Früher, so hatte es sich in meinem Gedächtnis festgesetzt, bot die von einer Baugenossenschaft errichtete Siedlung gleichermaßen Schutz vor Zukunftsängsten und Kriegserinnerungen. Wenn ich nachrechne, bin ich jedes Mal aufs Neue verblüfft, wie nah das Jahrzehnt, in dem ich geboren wurde, dem 8. Mai 1945 ist.
Die Bombe war weder scharf noch ein Blindgänger. Nachträglich hatte es sich als Metallschrott erwiesen, der als solcher jedoch kaum zu erkennen gewesen ist, zumal sich die Fundstelle in der Nähe des Bahnhofs befand. Auf deutschem Boden wird niemals arglos gegraben.
An meinen kurzen Heimatbesuch musste ich denken, als ich auf die Mitgliederkartei der NSDAP stieß, die die Redaktion von Zeit-Online unlängst in einer leicht handhabbaren Version zugänglich gemacht hat. Zuvor war diese über das US-Nationalarchiv zu erreichen. Wegen des enormen Ansturms, den die Nachricht der Veröffentlichung der Kartei ausgelöst hatte, war die Seite wiederholt zusammengebrochen.
Nun aber lag die eigene Familiengeschichte sowie die der Nachbarn nur ein paar Mausklicks entfernt. Wie ferngesteuert gab ich den Namen meines Vaters ein, der als Gefreiter der Wehrmacht erst 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war und vorübergehend als staatenlos galt. Die vielfach kolportierte Geschichte vom Schweigen der Väter traf auf ihn nicht zu. Vielmehr wurde seine Bereitschaft, über Krieg und Gefangenschaft zu sprechen, von uns Söhnen viel zu selten abgefragt. Mutter lenkte schnell ab, wenn es als Thema sich anbahnte.
Eine Spur der Erleichterung, vielleicht sogar stiller Stolz, als die Eingabe in der Datei ohne Treffer blieb. Jetzt, fast 30 Jahre nach seinem Tod, ist niemand mehr da, der Auskunft und Hintergrund liefern könnte. Das gilt auch für meinen Patenonkel H., der, acht Jahre älter als mein Vater, zur Verblüffung nachgeborener Verwandter, im Sommer 1937 der Partei beigetreten war. Was wussten seine inzwischen verstorbenen Kinder? Mit meiner Cousine I. hatte ich wiederholt über die Verbindung unserer Väter gesprochen. War H. ein überzeugter Nazi? Oder hielt er die Parteizugehörigkeit für opportun, gar für geboten, um beruflich voranzukommen? In der Mitgliederkartei wird er als Berufsschulleiter geführt, ein Amt, das er bis zu seiner Pensionierung ausübte.
Metallschrott oder Bombe? Scham oder plötzlich geweckter Wissensdurst? Das Bedürfnis nach Antworten aus der Geschichte mag unterschiedlich stark sein, aber es erlischt nicht.
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