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Ein Wal und andere Tiere: Timmy und wir verdienen mehr

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Ein Wal und andere Tiere: Timmy und wir verdienen mehr

Stand: 10.04.2026, 16:08 Uhr

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Viele verfolgen das Schicksal des Wals, während das Leid anderer Tiere unbemerkt bleibt.

Am 3. März wurde im Hafen von Wismar ein Buckelwal gesichtet, fernab seiner eigentlichen Heimat, den offenen Weltmeeren. Mindestens in die Nordsee und von da in den Atlantik hätte das Tier es schaffen müssen, um eine Überlebenschance zu haben. Stattdessen hatte er sich in die flache und salzarme Ostsee verirrt.

Nicht nur die geringe Salinität, die geringe Tiefe und die „verwinkelte“ Küstenlinie machten dem Wal zu schaffen. Von einer Schiffsschraube verletzt und teilweise in ein Fischernetz verheddert, das ihn am Fressen hinderte, ging es dem Tier sicher schon bei seinem ersten Tag in der Ostsee schlecht.

Während täglich millionenfaches Leid von Nutz-, Haus- und Wildtieren meist unbemerkt bleibt, war und ist die Anteilnahme am Wal und seinem Schicksal groß. Dass er einen Namen (Timmy) und einen Liveblog hat, ist Ausdruck eines engen, ja fast persönlichen Verhältnisses zu diesem Tier. Ein bisschen ist das alles aber auch ein Sinnbild für die Entfremdung des Menschen von der Natur und ein Beispiel dafür, dass wir uns gut auf ein Einzelschicksal konzentrieren können, während wir für das große Bild blind sind.

Aus wissenschaftlicher Sicht gab es von Anfang an wenig Anlass anzunehmen, dass der hungernde, verletzte, vergiftete, gestresste und womöglich kranke Buckelwal eine Überlebenschance haben könnte. Dafür setzen wir Atlantik, Ostsee und allen anderen Meeren einfach zu sehr zu.

In 92 Prozent des Verbreitungsgebietes von Walen fahren Schiffe. Seit 1992 hat sich der Schiffsverkehr vervierfacht. Bis 2050 soll er sich noch mal verdreifachen. Schiffskollisionen sind heute die größte Bedrohung für Wale. Mindestens 20.000 Wale sterben jährlich bei solchen Unfällen.

Auch Timmy, der von einer Schiffsschraube verletzt wurde. Timmy zeigt aber auch Verletzungen durch ein Fischernetz. Weil sich das auch in seinem Maul befindet und nicht entfernt werden konnte, konnte der zwölf Tonnen große Meeressäuger schon seit Wochen nicht mehr fressen. Vermutlich war das Netz nicht im Einsatz, sondern trieb unkontrolliert als Geisternetz im Meer. Weltweit schwimmen bis zu einer Million Tonnen solcher Netze durch die Meere und töten so Fische, Wale, Seevögel und Schildkröten.

Auch die Ostsee ist alles andere als ein Tierparadies. Definitiv nicht für einen Buckelwal, dem sie zu flach und zu wenig salzig ist, aber auch längst nicht mehr für die Arten, die dort natürlicherweise vorkommen würden. In der Ostsee befindet sich mit 60.000 bis 70.000 Quadratkilometern die größte menschengemachte Todeszone in einem Meer überhaupt. In einer Todeszone ist der Sauerstoffgehalt so gering, dass Leben praktisch unmöglich ist. Obwohl seit den 80er Jahren der Eintrag von Phosphor und Stickstoff, die als Dünger eingesetzt werden und gerade in der Straße von Hormus festhängen, reduziert wurde, erholt sich die Ostsee ökologisch nicht.

So traurig das Schicksal von Timmy ist, hoffe ich doch, dass sein Leid dazu führt, dass sich mehr Menschen für den Zustand der Ozeane und ihrer Tierwelt interessieren und echten Meeresschutz fordern. Nicht nur Timmys Artgenossen, sondern wir alle hätten saubere Meere verdient.

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