Straflosigkeit im Sudan treibt die Gewalt gegen Zivilisten weiter an
Straflosigkeit im Sudan treibt die Gewalt gegen Zivilisten weiter an
Stand: 15.04.2026, 15:16 Uhr
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Die Menschen im Sudan brauchen dringend wirksamen Schutz. Dazu gehört, Verantwortliche für Gräueltaten endlich vor Gericht zu stellen. Ein Gastbeitrag von Mohamed Osman.
Seit drei Jahren tobt in meinem Heimatland Sudan ein Krieg, in dem die sudanesische Armee (SAF) und die Rapid Support Forces (RSF) das Leben der Zivilbevölkerung konsequent missachten. Ein sudanesischer Analyst brachte es kürzlich auf den Punkt: „Der sicherste Job im Sudan ist der eines Kämpfers. Der gefährlichste ist der eines Zivilisten.“
Dass diese Gewalt zur Normalität wurde, ist auch ein politisches Versagen. Umso wichtiger war die Berliner Konferenz an diesem Mittwoch (15. April) zum dritten Jahrestag des Konflikts.
Sudan-Krieg: Bei Drohnenangriffen werden Hunderte Zivilist:innen getötet
Während Khartum zwischen April 2023 und März 2025 unter Kontrolle der RSF stand, verübte die Miliz systematisch sexualisierte Gewalt, darunter Gruppenvergewaltigungen an Frauen und Mädchen. Die Regierung verschärfte das Leid der Überlebenden, indem sie humanitäre Hilfe in RSF-Gebieten blockierte und den Zugang zu medizinischer Versorgung verhinderte. Zugleich ging die sudanesische Armee mit willkürlichen Verhaftungen und Vergeltungsangriffen gegen Zivilist:innen in Khartum und Zentral-Sudan vor – häufig allein aufgrund ethnischer Zuschreibungen, politischer Vorwürfe oder ihrer Arbeit in der Nothilfe.
Der Konflikt verlagert sich geografisch immer wieder – doch die Missachtung von Leben und Würde der Zivilbevölkerung bleibt. In Kordofan und in Teilen Darfurs setzen die Kriegsparteien inzwischen zunehmend auch Drohnen ein, deren Angriffe Hunderte Zivilistinnen und Zivilisten getötet und zivile Infrastruktur, darunter Krankenhäuser, zerstört haben.
Ende Oktober nahm die RSF nach 18-monatiger Belagerung El Fasher, die Hauptstadt von Nord-Darfur, ein. Anhaltender Beschuss der letzten Zufluchtsorte ließ die Bevölkerung systematisch aushungern. Überlebende berichteten Kolleg:innen von Human Rights Watch, die RSF habe bei der Einnahme der Stadt ein „Pandämonium der Gewalt“ entfesselt.
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Proteste gegen Korruption im Sudan werden brutal niedergeschlagen
Die seit Jahren herrschende Straflosigkeit im Sudan treibt diese Verbrechen weiter an. Ein zentrales Beispiel ist der frühere Präsident Omar al-Baschir, der seit 2009 vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes in Darfur gesucht wird. Dennoch haben die sudanesischen Behörden es bis heute versäumt, al-Baschir, der sich Berichten zufolge weiterhin in ihrem Gewahrsam befindet, an den Gerichtshof zu überstellen.
Es war eine im September 2013 im Fernsehen übertragene Rede al-Baschirs, die landesweite Proteste gegen Korruption und Machtmissbrauch auslöste. Ich war damals in El Fasher und sah, wie Hunderte RSF-Kämpfer nach Khartum verlegt wurden. Ein Mitreisender warnte, die Gewalt, für die die RSF in Darfur und Kordofan berüchtigt war, werde bald die Hauptstadt erreichen. Kurz darauf gingen die RSF und andere Sicherheitskräfte brutal gegen Demonstrierende vor.
Als im April 2023 erneut Kämpfe in Khartum ausbrachen, sagte mir ein Aktivist, der floh:
Wären diejenigen, die früher Verbrechen begangen und Proteste niedergeschlagen haben, zur Rechenschaft gezogen worden wären, wären wir heute nicht hier.Aktivist
Wären diejenigen, die früher Verbrechen begangen und Proteste niedergeschlagen haben, zur Rechenschaft gezogen worden wären, wären wir heute nicht hier.
Als Menschenrechtler, und als Sudanese, bringt dieses Zitat für mich die Geschichte der immer wiederkehrenden, nie aufgearbeiteten Gewalt im Sudan auf den Punkt. Im Sudan gibt es keinerlei Anzeichen, dass das Aufschieben von Gerechtigkeit Gewalt reduziert oder Übergriffe verhindert hätte. Menschenrechtsorganisationen, darunter HRW, betonen seit Jahren: Ohne Gerechtigkeit wiederholt sich die Geschichte.
Drei Jahre nach Beginn des Krieges haben internationale Akteure, die sich der Förderung von Gerechtigkeit verpflichtet haben, nun eine reale Chance, auf politischer Ebene Schritte in Richtung Rechenschaftspflicht durchzusetzen. Im Februar 2026 gründeten Irland, Deutschland, die Niederlande, Norwegen und das Vereinigte Königreich eine dringend notwendige neue Koalition zur Prävention von Gräueltaten und zur Förderung von Gerechtigkeit im Sudan. Weitere gleich gesinnte Staaten sollten sich anschließen, um die Bemühungen um Rechenschaftspflicht wirksam zu stärken.
Die Lehre aus dem Krieg im Sudan
Die Koalition kann jetzt handeln: durch volle Unterstützung der Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofs zu Darfur, durch Druck auf Sudan, die gesuchten Personen unverzüglich zu überstellen, und durch den Einsatz für eine Ausweitung der Gerichtsbarkeit auf ganz Sudan. Zudem sollte sie zivilgesellschaftliche Organisationen, die Menschenrechtsverbrechen dokumentieren, stärker finanziell und politisch unterstützen.
Rechenschaft darf nicht als letztes, noch ungeschriebenes Kapitel der sudanesischen Tragödie behandelt werden. Sie muss der Anfang sein, um sie endlich zu beenden. Die Lehre aus Jahren von Krieg, Verlust und Zerstörung im Sudan ist klar: Wird Gerechtigkeit weiter aufgeschoben, wächst das Leid der Bevölkerung. Die Menschen im Sudan können es sich nicht leisten, noch länger auf Gerechtigkeit zu warten.
