Neue private Altersvorsorge hilft vor allem Besserverdienern

Neue private Altersvorsorge hilft vor allem Besserverdienern

Stand: 28.04.2026, 16:03 Uhr

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Die private Altersvorsorge kostet den Staat 20 Milliarden Euro jährlich. Ein Staatsfonds für sozialen Wohnungsbau wäre die bessere Alternative. Ein Gastbeitrag von Frank Hoffer.

Das Gesetz zur privaten Altersvorsorge ist ein teures, unsoziales Projekt. Gewinner sind Besserverdienende, Aktienbesitzer und die Finanzwirtschaft. Die private Zusatzvorsorge erhöht während der nächsten Jahrzehnte die Kosten der Alterssicherung, ohne das Rentenniveau zu erhöhen. Die Versicherten tragen das volle Investitionsrisiko. Der staatliche Zuschussbedarf beträgt jährlich circa 20 Milliarden Euro. Je mehr jemand privat einzahlt, desto höher ist die staatliche Förderung. Der Staat treibt mit den Subventionen der Finanzwirtschaft Millionen neuer Kunden zu und garantiert ihr zweistellige Milliardengewinne.

Statt in die Zukunft zu investieren, werden allein in den nächsten zwanzig Jahren schätzungsweise zwei Billionen Euro in die Finanzmärkte gelenkt. Die generöse Gebührendeckelung erlaubt der Finanzwirtschaft, für ein Standardangebot zehnmal so viele Gebühren zu nehmen, wie der schwedische Staatsfonds. Die im Gesetz vorgesehene Option eines freiwilligen Staatsfonds ist die verbleibende Möglichkeit, statt volatiler Aktienfonds einen Fond aufzulegen, der gleichzeitig sichere Renten, bezahlbaren Wohnraum und Beschäftigung schafft.

Um die maximale Förderung zu erzielen, ist ein Eigenbeitrag von 1.800 Euro erforderlich. Wer 8.700 Euro im Monat verdient, muss wegen der zusätzlichen Steuerersparnis nur 1 Prozent seines Einkommens aufwenden, um die Höchstförderung zu bekommen. Mindestlohnbezieher müssen dagegen 6,5 Prozent und Medianeinkommensbezieher 3,5 Prozent ihrer Einkommen anlegen. Die junge Generation soll neben den 18,6 Prozent für die Rentenversicherung zwischen 1 und 6,5 Prozent in eine kapitalgedeckte Rente einzahlen. Da Menschen mit niedrigem Einkommen so hohe Beiträge nicht zahlen können, wird ein Großteil der Förderung an Besserverdiener gehen. Das ist sozialpolitisch unsinnig.

Ökonom schlägt staatlichen Rentenfonds vor, der in den sozialen Wohnungsbau investiert

Insgesamt sind circa 45 Millionen Personen unmittelbar förderungsberechtigt. Die Förderung beträgt maximal 540 Euro. Weitere 300 Euro gibt es zusätzlich pro Kind. Für mittelbar Berechtigte – schätzungsweise fünf bis zehn Millionen Menschen – ist eine zusätzliche Förderung von 175 Euro möglich. Wenn circa 70 Prozent der Berechtigten die Förderung in Anspruch nehmen, beträgt das Fördervolumen knapp 20 Milliarden Euro. Die Staatsverschuldung wird jährlich um 20 Milliarden steigen. Beziehungsweise: Sie wäre entsprechend niedriger, wenn auf die Subventionierung der privaten Vorsorge verzichtet würde. Über 20 Jahren wird sie um 600 Milliarden zunehmen. Bei Schuldzinsen von 4 Prozent sind 2047 allein 24 Milliarden zusätzliche Zahlungen fällig.

Nahezu unisono wird begrüßt, dass die Versicherten mit dem neuen Modell von den hohen Renditen im Aktiengeschäft profitieren können. Dass sie dafür das alleinige Investitionsrisiko übernehmen und auf Mindestgarantien verzichten müssen, wird als Befreiung von unnötigen Fesseln begrüßt. Die Finanzwirtschaft kann in ihrem Produktmarketing das Blaue vom Himmel versprechen. Wenn es schiefgeht, hat sie trotzdem gut verdient, und die Versicherten tragen die Verluste. Für die Finanzwirtschaft ist die Umstellung auf privatwirtschaftlich organisierte Kapitaldeckung ein Riesengeschäft. Millionen neue Kunden garantieren Verwaltungsgebühren in Milliardenhöhe und sprudelnde Gewinne. Nicht überraschend opponiert die Finanzwirtschaft deshalb gegen die im Gesetz vorgesehene Möglichkeit eines Staatsfonds.

Will die SPD nicht Wegbereiterin von unfairen Sozialreformen sein, muss sie die Möglichkeit des Staatsfonds offensiv und strategisch nutzen. Ein staatlicher Rentenfonds, der in den sozialen Wohnungsbau investiert, könnte gleichzeitig eine stabile Rendite garantieren, bezahlbaren Wohnraum finanzieren und Beschäftigung schaffen. Durch den Ausbau des sozialen Wohnungsbaus würde der jungen Generation unmittelbar geholfen, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Gleichzeitig würde der Anstieg von Mieten insgesamt über das vergrößerte Angebot gebremst. Das Investment in Sozialwohnungen kann Mindestrenditen garantieren und unterliegt nicht den Volatilitäten des globalen Kapitalmarktes. Die Renditemöglichkeiten können von Kommunen noch verbessert werden, indem Baugrundstücke in Erbpacht an den genossenschaftlichen sozialen Wohnungsbau vergeben werden. Ein langfristiges Wohnungsbauprogramm stärkt zudem inländische Nachfrage und Beschäftigung. Ein solcher Fond wäre ein klares Signal: Vorsorge für die Menschen – statt Fürsorge für die Finanzwirtschaft.


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