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Edeka und Rewe wollen Tegut-Filialen übernehmen – die Folgen wären drastisch

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24.04.2026

Edeka und Rewe wollen Tegut-Filialen übernehmen – die Folgen wären drastisch

Stand: 24.04.2026, 12:04 Uhr

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Das Bundeskartellamt muss die Tegut-Übernahme durch Edeka stoppen. Tut es das nicht, leiden am Ende Verbraucher und Erzeuger.

Mit Tegut gibt eine weitere Supermarktkette in Deutschland auf – und die Platzhirsche Edeka und Rewe wollen sich die meisten Filialen einverleiben. Ganz einfach wird das Vorhaben nicht. Das Bundeskartellamt muss die Übernahmen genehmigen und tritt erst mal auf die Bremse. Es hat eine vertiefte Prüfung der Übernahmepläne von Edeka eingeleitet.

Das ist richtig so. Die Marktmacht von Edeka und Rewe ist bereits heute ein Problem für Verbraucherinnen und Verbraucher und die Landwirtschaft. Die Kartellbehörde sollte die Übernahmen deshalb im zweiten Schritt vollständig stoppen.

Der Lebensmitteleinzelhandel ist in Deutschland auf wenige Unternehmen konzentriert: Edeka und Rewe allein teilen sich mehr als die Hälfte des ganzen Marktes. Gemeinsam mit Aldi und der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland kommen sie auf fast 88 Prozent Marktanteil. Damit dominieren vier große Konzerne, welche Lebensmittel in den Handel kommen und zu welchen Preisen.

Verschiebung der Gewinnmargen hin zum Handel

Im November 2025 stellte ein Sondergutachten der Monopolkommission fest, dass sich die Gewinnmargen weg von der Landwirtschaft hin zum Handel verschieben. Gleichzeitig geht die Schere zwischen Verbraucher- und Erzeugerpreisen immer weiter auseinander. Das heißt, die Lebensmittelpreise steigen, während die Erlöse der Landwirte sinken. Das führt zu zunehmend prekären Verhältnissen in der Landwirtschaft und belastet zugleich die Verbraucher. Ein Grund dafür sei die steigende Marktkonzentration. Darauf deuten auch andere Studien hin.

Supermärkte und Discounter sind nicht die einzige Problemzone. Auch bei Saatgut und Düngemitteln, Schlachthöfen und Molkereien oder Lebensmitteln wie Schokolade, Softdrinks und vielen Fertiggerichten kontrollieren wenige Unternehmen die Produktion.

PhilosophieWarum wir was fürs Klima tun müssen, auch wenn es andere Länder nicht tun

In einer neuen Studie haben wir von der Anti-Monopolorganisation Rebalance Now die steigende Machtkonzentration in Lebensmittellieferketten analysiert. Das Problem wird immer noch unterschätzt. Es führt zu höheren Preisen und niedrigen Erlösen und schlechten Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft. Es erschwert die nötige ökologische Transformation des Ernährungssystems und macht es krisenanfälliger. Weniger Ausweichmöglichkeiten und viel Macht bei wenigen Unternehmen können Schocks durch Klimakrise oder Kriege wie im Iran weiter verschärfen.

Kartellbehörden müssen gegensteuern

Gerade in Zeiten steigender Preise können wir uns keine weitere Vermachtung der Lebensmittellieferketten leisten. Die Kartellbehörden müssen deshalb gegensteuern. Sie müssen Firmenübernahmen strikter prüfen und häufiger untersagen. Die Politik sollte die Regeln gegen unfaire Handelspraktiken verschärfen. Die Regierung sollte zugleich darauf verzichten, über eine sogenannte Ministererlaubnis Fusionen zu genehmigen, die das Bundeskartellamt abgelehnt hat. So lief es in der Vergangenheit bei der Übernahme von Tengelmann durch Edeka.

Bei den Supermärkten ist die Konzentration in Deutschland besonders weit fortgeschritten. Sie haben zudem eine zentrale Position in den Lieferketten und steigen vermehrt selbst in die Produktion von Lebensmitteln ein. Hier sollte das Bundeskartellamt deshalb besonders genau hinsehen.

Interessen von Erzeugern und Bürgerinnen und Bürgern schützen

Die Nachricht über den Verkauf von Tegut schlug Wellen, aber die kartellrechtlichen Verfahren selbst wirken trocken und anspruchsvoll. Dabei sind sie von fundamentaler Bedeutung für unsere Wirtschaftsstrukturen und für die ungleiche Verteilung wirtschaftlicher Macht. Sie verdienen deshalb mehr öffentliche Aufmerksamkeit und mehr gesellschaftliche Beteiligung.

Das Bundeskartellamt hat jetzt entschieden: Die geplante Übernahme von 200 Tegut-Filialen durch Edeka ist zu heikel, um sie in der ersten Phase des Prüfverfahrens zu genehmigen. Jetzt beginnt das vertiefte Hauptprüfverfahren durch die Behörde. Dieser Schritt öffnet die Möglichkeit, die Übernahme ganz zu untersagen. Genau das sollte das Bundeskartellamt tun, um die Interessen von Erzeugern, Bürgerinnen und Bürgern zu schützen: konsequent bleiben, keine Ausweitung der Marktmacht von Edeka und Rewe akzeptieren und die Übernahme stoppen.


© Frankfurter Rundschau